Video zum "proteste in Nostorf/Horst" Flüchtlingslager

kleine geschichten aus dem leben im lager mitgeschrieben von busyshadows
Horst foto blog - integrations kurse
: http://horst-lager-no.blogspot.com
by Marily
Hungerstreik im Flüchtlingslager Horst/Hamburg
Viele BewohnerInnen des Flüchtlingslager Horst befanden sich im Hungerstreik. Sie protestieren gegen raümliche Isolation, unzureichende Beratung, medizinische Versorgung und schlechtes Essen. Das Video gibt Aufschlus über die Lebenssituation

Video http://www.youtube.com/watch?v=ct7GkuvkgbA

Forderungen der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung Nostorf/Horst in Mecklenburg-Vorpommern >> http://thecaravan.org/search/node/Nostorf/Horst

(die Forderungen gelten sowohl für die Flüchtlinge aus Meck Pom als auch für die Flüchtlinge aus Hamburg)

• Die Flüchtlinge wollen wissen warum sie länger als 3 Monate dort verweilen müssen

Die Flüchtlinge bekommen zuerst einen weißen Lagerausweis , der für eine Verweildauer von 3 Monate vorgesehen ist, danach bekommen die Flüchtlinge aus Meck. Pom. einen gelben Lagerausweis, der für eine Verweildauer von bis zu 24 Monate vorgesehen ist. Eine Begründung für die Verlängerung gibt es nicht.

• Diejenigen, die länger als 3 Monate dort untergebracht sind, wollen raus

• Diejenigen, die noch keine 3 Monate dort untergebracht sind, wollen eine qualifizierten Unterricht, um die deutsche Sprache zu lernen

• Das Essen muss abwechslungsreicher und inhaltvoller werden

• Die Möglichkeit, selbst zu kochen, wird dringend gefordert

• Die med. Versorgung muss dringend verbessert werden

• Es sollte eine Kleiderkammer eingerichtet werden

• Eine kostengünstige Fahrmöglichkeit, um den Ort Boizenburg oder Lauenburg besuchen zu können

• Kompetente Dolmetscher, vor allem für die Arztbesuche. Für Frauen sollte das eine Dolmetscherin sein

• Den Minderjährigen sollte der Zugang zur Schule ermöglicht werden

• Alle Repressionen bei dem Hungerstreiks sollten unterlassen werden

Repressionen während des Hungerstreiks am 17.09.2010:
Es wurden die Lagerausweise abgenommen
Es wurden die Zimmer der streikenden Flüchtlinge neu belegt, um die streikenden Flüchtlinge zu trennen
Diejenigen, die eine Arbeit im Lager hatten, haben ihre Arbeit verloren
• Auch in der Zukunft keine Nachteile wegen Teilnahme am Hungerstreik

• Sie wollen als vollwertige Menschen respektiert werden

Nostorf-Horst 20.09.2010

Lager Horst
http://de.indymedia.org/2010/09/290760.shtml

Video bei:
http://www.kub-berlin.org/index.php?option=com_content&view=article&id=6...

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Nachrichten / Glaube,Liebe,Hoffnung
Kinder und Familien leiden in Gemeinschafts-Unterkünften - Oberkirchenrat für dezentrale Unterbringung von asylsuchenden Menschen

1.10.2010

(Schwerin/cme) - „Mit Diskriminierung macht man keinen Staat“ – unter diesem Motto steht der bundesweite Tag des Flüchtlings, der am morgigen 1. Oktober 2010 anlässlich der Interkulturellen Woche begangen wird. Vor diesem Hintergrund und angesichts des jüngsten Hungerstreiks in der zentralen Landesgemeinschaftsunterkunft in Nostorf/Horst hat sich der Oberkirchenrat in dieser Woche mit der Situation von Asylsuchenden und Geduldeten beschäftigt.

„Wir teilen die Bedenken gegen eine Langzeitunterbringung der Betroffenen über einen Zeitraum von 3 Monaten hinaus und geben eindeutig einer dezentralen Unterbringung den Vorrang“, sagt Oberkirchenrat Dr. Jürgen Danielowski von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. „In Gemeinschaftsunterkünften werden insbesondere Familien und Kinder einer besonderen Belastungssituation ausgesetzt. Zudem sind die Heime oftmals außerhalb von Ortschaften gelegen und verkehrstechnisch schlecht angebunden.“

Dass insbesondere Kindern die Teilnahme am sozialen Leben verwehrt wird, sei aus Sicht der Kirche besonders problematisch. „Den Jungen und Mädchen ist es aufgrund der finanziellen Situation ihrer Eltern oftmals nicht möglich, mit befreundeten Mitschülern etwas zu unternehmen, weil allein die Fahrtkosten zu hohe finanzielle Ausgaben darstellen. Und die Kosten für Klassenfahrten werden häufig nicht übernommen“, nennt der Oberkirchenrat ein Beispiel. Zudem kritisiert er, dass es „in den Gemeinschaftsunterkünften selten Rückzugsräume für Kinder gibt, um zu lernen oder um Hausaufgaben zu machen“. Unbefriedigend sei ebenso die Ernährung, da die Lebensmittelpakete meist nicht ausgewogen zusammengestellt seien.

Zusammenfassend stellt Oberkirchenrat Dr. Danielowski fest: „Eine längerfristige Gemeinschaftsunterbringung erschwert unserer Ansicht nach die soziale Teilhabe sowie die soziale Integration. Wir halten ebenso eine Abkehr vom Sachleistungsprinzip für sinnvoll.“ Hintergrund: An die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft ist die Versorgung nach dem genannten Prinzip gebunden. Das heißt: Es gibt Essens- und Hygienepakete, Kleider und Möbel statt Bargeldleistungen zur Selbstversorgung. Im Hinblick auf die Gewährung von Unterkunft für die Betroffenen bedeutet das Sachleistungsprinzip eine Unterbringung in Asylbewerberheimen.

http://www.glaubeaktuell.net/portal/nachrichten/nachricht.php?useSpr=&ID...

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Katastrophale Flüchtlingsunterbringung
30. September 2010, 06:36 Uhr

Politiker aller Fraktionen unzufrieden mit dem Lager in Horst

Altstadt. Nach dem Hungerstreik in der Flüchtlingsunterkunft im mecklenburgischen Nostorf/Horst hat sich gestern die Bürgerschaft mit den Zuständen in der Einrichtung beschäftigt. In einer Aktuellen Stunde auf Antrag der Linkspartei machten Politiker aller Fraktionen ihre Unzufriedenheit mit der Situation in der Gemeinschaftsunterkunft deutlich. "Die Zustände dort sind unzumutbar", sagte Mehmet Yildiz (Linke). Er beklagte unter anderem die mangelhafte medizinische Versorgung und forderte die Schließung der Aufnahmestelle, die von den Ländern Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam zur Erstunterbringung genutzt wird.

Nach Angaben des Einwohnerzentralamts leben derzeit 147 Hamburger Asylbewerber in der Aufnahmestelle, darunter auch 17 Familien. "Das ist ein klarer Bruch des schwarz-grünen Koalitionsvertrages", kritisierten Oppositionspolitiker. Auch habe es Fälle gegeben, in denen Flüchtlinge länger als drei Monate dort untergebracht waren.

"Das ist nicht schön, aber wegen der aktuell steigenden Flüchtlingszahlen nicht zu ändern", sagte CDU-Innenexperte Kai Voet van Vormizeele. Auch die flüchtlingspolitische Sprecherin der GAL, Antje Möller, verteidigte das Vorgehen der Behörde. "Jetzt geht es darum, dass in Nostorf/Horst für alle Betroffenen angemessene Bedingungen sichergestellt werden." Außerdem dürfe das Prinzip, von Hamburg keine Familien mit Kindern dort zuzuweisen, nicht immer weiter ausgehöhlt werden. Die SPD-Abgeordnete Ksenija Bekeris forderte, weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber in Hamburg zu schaffen. Nach ihren Angaben ist auch die Erstaufnahmestelle an der Sportallee (Stellingen) überbelegt. Statt 70 Menschen leben dort derzeit mehr als 100.

Die Hansestadt schickt seit 2006 Asylbewerber nach ihrer Aufnahme in die Mecklenburger Einrichtung, die in einer ehemaligen DDR-Grenzkaserne untergebracht ist. Der Vertrag läuft noch bis Herbst 2011 und soll nicht verlängert werden. In der vergangenen Woche hatten Bewohner und Flüchtlingsgruppen die Zustände kritisiert und die Schließung gefordert.(mik)
http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1647598/Katastrophale...
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Die Welt: 23.09.10 Drucken Versenden Bewerten
Flüchtlinge protestieren in von Hamburg genutztem Lager

Rund 100 Asylbewerber haben am Mittwoch vor dem zentralen Aufnahmelager in Horst bei Boizenburg gegen die Wohn- und Lebensbedingungen in der Gemeinschaftsunterkunft protestiert. Viele Flüchtlinge verbringen monatelang in der Einrichtung, die mitten im Wald liegt und kilometerweit entfernt von Beratungsangeboten und medizinischer Betreuung ist, wie ein Sprecher des Landesflüchtlingsrates Mecklenburg-Vorpommern sagte. Seit Tagen befänden sich deshalb etwa 15 Bewohner im Hungerstreik.
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Das Aufnahmelager in Horst ist erster Anlaufpunkt für Asylbewerber aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Nach drei Monaten Aufenthalt ist eine Verteilung der Flüchtlinge an andere Orte vorgesehen. 2005 wurde in Horst zudem eine sogenannte Landesgemeinschaftsunterkunft eingerichtet, in der unter anderem Menschen untergebracht werden, deren Asylantrag als unbegründet abgelehnt wurde. Solche Abschiebelager sollten geschlossen werden, forderte der Landesflüchtlingsrat Hamburg.

In einem Schreiben an das Schweriner Innenministerium forderten die Flüchtlingsräte von Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern die Aufklärung von Vorwürfen, wonach die medizinische Versorgung der Flüchtlinge unzulänglich sein soll. So sollen Schwangeren ärztliche Konsultationen untersagt worden sein. dapd
http://www.welt.de/die-welt/regionales/hamburg/article9817710/Fluechtlin...

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Flüchtlinge fordern bessere Lebensbedingungen

Afghanische Flüchtling protestieren in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung des Landes in Nostorf/Horst bei Boizenburg (Landkreis Ludwigslust) mit Hungerstreik. © dpa Fotograf: Jens Büttner Detailansicht des Bildes Seit Tagen protestieren etwa 15 Bewohner mit Hungerstreik gegen die Bedingungen. Rund 100 Asylbewerber haben am Mittwoch vor dem zentralen Aufnahmelager in Horst bei Boizenburg (Kreis Ludwigslust) gegen die Wohn- und Lebensbedingungen in der Gemeinschaftsunterkunft protestiert. Seit Tagen steht die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Kritik. Nach Angaben des Flüchtlingsrates Mecklenburg-Vorpommern befinden sich mehrere Asylbewerber seit knapp einer Woche im Hungerstreik.
Stimmung im Aufnahmelager angespannt

Seitens des Innenministeriums heißt es, die Standards würden voll erfüllt. Am Mittwoch durften sich nun Abgeordnete verschiedener Fraktionen, Flüchtlingsorganisationen und Medienvertreter davon überzeugen. Die Stimmung ist relativ angespannt, wie NDR 1 Radio MV berichtete. Vor dem Tor des umzäunten Geländes demonstrierte der Flüchtlingsrat Hamburg mit Transparenten. Mehrere Flüchtlinge hatten über unzureichende medizinische Versorgung geklagt. Zudem sei der Arzt zu selten in der Unterkunft. Ab Oktober soll der Mediziner nun vier statt zwei Mal wöchentlich eine Sprechstunde abhalten. Auch an anderer Stelle soll es Verbesserungen geben: Da es in der Kantine immer wieder zu Konflikten zwischen den Asylbewerbern kommt, sollen demnächst zwei Stationen für die Essensausgabe geöffnet werden. Der Staatssekretär im Schweriner Innenministerium Thomas Lenz betonte, dies sei keine direkte Reaktion auf den Hungerstreik.
Keine psychologische Betreuung vor Ort

In der Erstaufnahmeeinrichtung leben zurzeit 377 Asylbewerber. In den vergangenen Monaten hatte die Zahl stark zugenommen. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Ländern, in denen Krieg herrscht, oft haben sie Schreckliches erlebt. Direkt vor Ort gibt es keine psychologische Betreuung. Das größte Problem für die Psyche der Flüchtlinge bestehe darin, dass diese Menschen den ganzen Tag nichts zu tun hätten und oft über Monate in der Unterkunft bleiben müssten, sagte Doreen Klamann-Senz vom Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern.

http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/hungerstreik131.html

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Hungerstreik eines Asylbewerbers für Hamburg
paid Aufstand der Flüchtlinge in der Sammelunterkunft
Von Hanna-Lotte Mikuteit 23. September 2010, 06:00 Uhr

In der Sammelunterkunft für Asylbewerber aus Hamburg gibt es seit sieben Tagen einen Hungerstreik. Ein Ortstermin in Mecklenburg.
Ali Reza Samari zeigt seinen Lagerausweis. Er ist seit Tagen im Hungerstreik.

Ali Reza Samari zeigt seinen Lagerausweis. Er ist seit Tagen im Hungerstreik.
Foto: Ingo Röhrbein

Nostorf. Ali Reza Samari, 25, sieht nicht gut aus. Er hat tiefe Ringe unter den Augen, seine Stimme klingt schleppend. "Ich halte mich mit Gewalt auf den Beinen", sagt er. Vor sieben Tagen ist der junge Mann aus Afghanistan in den Hungerstreik getreten. "Ich bin hierhergekommen, um etwas zu lernen, etwas aus unserem Leben zu machen", übersetzt ein Landsmann. Die anderen um ihn herum nicken. Einen Monat habe er im Aufnahmelager bleiben sollen, inzwischen sei er schon fast einen Monat länger da. "Wir wollen auf die Städte verteilt werden, unser Leben selbst in die Hand nehmen." 15 andere Asylbewerber haben sich inzwischen mit ihm solidarisiert.

"Abschiebelager abschaffen" steht auf einem Spruchband am Zaun der Zentralen Sammelunterkunft im mecklenburgischen Nostorf/Horst. Früher waren auf dem Gelände DDR-Soldaten untergebracht, jetzt warten hier 377 Flüchtlinge auf den Fortgang ihrer Verfahren. Per Vertrag ist geregelt, dass auch die Hamburger Innenbehörde dort Asylbewerber unterbringt. Derzeit sind es 111. Immer wieder hatten Flüchtlingsinitiativen die Gemeinschaftsunterkunft etwa 60 Kilometer östlich von der Hansestadt kritisiert. Der Hungerstreik sorgt nun für neue Aufregung. Gestern reisten Vertreter der Hamburger Innenbehörde, Bürgerschaftsabgeordnete sowie Vertreter der Flüchtlingsräte und der Nordelbischen Kirche auf Einladung des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommern zum Ortstermin an. Während Aktivisten von Flüchtlingsvereinen vor den Toren protestieren und die Schließung des Lagers forderten, versuchten sich die Verantwortlichen ein Bild von der Situation zu verschaffen.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die abgeschiedene Unterbringung in der Gemeinde, in der nur selten ein Bus in die nahe gelegenen Städte Lauenburg oder Boizenburg fährt. Die Flüchtlinge, die aus 20 Nationen stammen, beklagen zudem schlechtes Essen und fordern Kochmöglichkeiten. Auch sei die medizinische Versorgung unzureichend. So berichtet eine junge Frau aus Somalia, die im fünften Monat schwanger ist, dass sie erst ein Mal von einem Frauenarzt untersucht worden sei. Aus Sicht von Franz Forsmann vom Flüchtlingsrat Hamburg ein unhaltbarer Zustand. "Die Menschen werden hier in Isolation gehalten, weil sie sowieso abgeschoben werden sollen."

Thomas Lenz (CDU), Staatssekretär im Schweriner Innenministerium, wies die Vorwürfe gestern zurück. "Eine menschenwürdige Unterbringung ist gewährleistet", sagte er beim Rundgang über das Gelände. Präsentiert wurden eine Krankenstation, in der zwei Krankenschwestern arbeiten. Eine Ärztin hält derzeit an zwei Vormittagen in der Woche eine Sprechstunde ab. "Wir bemühen uns gerade um einen weiteren Arzt", sagte der Leiter der Unterkunft, Wolf-Christoph Trzeba. Es sei allerdings nicht einfach, jemanden zu finden. In der Mensa mit 180 Plätzen, in der sich zeitweilig lange Schlangen bei der Essensausgabe gebildet hatten, soll nach Protesten eine zweite Ausgabestelle eingerichtet werden.

Immer wieder in der Kritik hatte in den vergangenen Tagen die Dauer des Aufenthalts in dem Lager gestanden - und dass inzwischen auch Familien mit schulpflichtigen Kindern aus dem Hamburger Kontingent dort leben. Aus Sicht des Linken-Bürgerschaftsabgeordneten Mehmet Yildiz ein klarer Bruch des schwarz-grünen Koalitionsvertrags. "Das ist eine Notmaßnahme", sagte der Chef des Zentralen Einwohnermeldeamts, Ralph Bornhöft. Seit Juni seien deutlich mehr neue Flüchtlinge nach Hamburg gekommen, die nicht alle in der Stadt untergebracht werden könnten. "Aber anders als behauptet haben wir keinen Fall, im dem die Drei-Monate-Frist überschritten wurde."

http://www.abendblatt.de/region/norddeutschland/article1640335/Aufstand-...
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Dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern verlangt
Veröffentlicht: 30 September 2010 20:32
Verändert : 30 September 2010 20:32

Schwerin (dpa/mv) - Kirchen, Flüchtlingsorganisationen und Parteien haben anlässlich des bundesweiten Tages des Flüchtlings am Freitag (1.10.) einen humaneren Umgang mit Asylbewerbern gefordert. In der Kritik steht dabei weiter die zentrale Gemeinschaftsunterkunft des Landes in Nostorf/Horst (Kreis Ludwigslust), in der gegenwärtig knapp 400 Asylsuchende untergebracht sind. Die Landesregierung hält an der Erstaufnahme-Einrichtung fest. Nach Überzeugung des Innenministeriums werden dort alle rechtlichen Bestimmung erfüllt. Die Linke verlangt, dass die isoliert gelegene Einrichtung in Horst nur eine Übergangslösung für maximal drei Monate sein darf.
http://www.dnews.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/330378/dezentrale...

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Afghane setzte am Wochenende Hungerstreik fort

20. September 2010 | von krei
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Die Einrichtung in Horst ist seit 1993 in Betrieb und hat eine Kapazität von 650 Plätzen.

HORST - Ein junger Mann aus Afghanistan lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf die zentrale Aufnahmeeinrichtung des Landes für Flüchtlinge und Migranten in Horst. Mit einem Hungerstreik protestiert der Asylbewerber gegen seine Unterbringung in dieser Einrichtung, in der er über die gesetzlich vorgeschriebenen drei Monate bleiben muss. So teilte es der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern am Freitag in Schwerin mit und zeigte sich bestürzt über diese Aktion. Der Verband monierte, dass die Unterbringung der Flüchtlinge in Horst den Standards widerspreche, die für die übrigen Gemeinschaftsunterkünfte im Land vorgeschrieben sind. So befände sich die Erstaufnahme und die dort angesiedelte Landesgemeinschaftsunterkunft nicht in einer Stadt oder einem Dorf, sondern auf einem abgelegenen Gelände im Wald, was zu Problemen bei der Erreichbarkeit von Rechtsanwälten, Ärzten und anderen Unterstützungsangeboten führe. Das Innenministerium wies die Vorwürfe des Flüchtlingsrates als haltlos zurück. Nach Auskunft eines Sprechers entspreche die Versorgung der Flüchtlinge voll den Anforderungen an eine menschenwürdige Unterbringung von Asylbewerbern. "Wenn es berechtigte Kritik von Heimbewohnern gibt, wird dieser nachgegangen."

Dass dieser Hungerstreik bereits fast eine Woche andauern soll, wollte am Wochenende niemand in der Einrichtung weder bestätigen noch dementieren. Es hieß lediglich, dass der junge Mann aus Afghanistan wohl in den Hungerstreik getreten sein soll und daneben sich 15 bis 30 Personen mit ihm solidarisiert hätten. Zur Entspannung der Situation soll nach einem Gespräch am Freitag mit drei der betreffenden Personen in dieser Woche eine weiteres Gespräch folgen. Das Wochenende sei, wie es hieß, ohne nennenswerte Vorkommnisse verlaufen.

Die Landeseinrichtung in Horst ist seit 1993 in Betrieb, hat eine Kapazität von 650 Plätzen und kooperiert seit 2006 mit Hamburg. Derzeit betreuen die Mitarbeiter der Malteser Werke gGmbH hier rund 360 Asylbewerber. Das Gros von ihnen kommt aus Somalia, dem Irak und Iran sowie aus Afghanistan und Serbien.
http://www.nnn.de/nachrichten/home/top-thema/article/111/afghane-setzte-...

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Kritik an den Lebensbedingungen in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Nostorf/Horst ist unberechtigt
22.09.2010: Schwerin/GNN/MVregio Gemeinsam mit Vertretern der demokratischen Parteien des Landtages Mecklenburg-Vorpommerns und Vertretern der Fraktionen der hamburgischen Bürgerschaft,

der Behörde für Inneres der Freien und Hansestadt Hamburg, der Flüchtlingsräte sowie der Organisation "Pro Asyl" Hamburgs und Mecklenburg-Vorpommerns hat der Staatssekretär im Innenministerium Thomas Lenz heute die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Nostorf/Horst bei Boizenburg (Landkreis Ludwigslust) besucht.

Die Einrichtung war in den letzten Tagen Gegenstand verschiedener Medienberichte, in denen unter anderem die medizinische Versorgung, die Essensversorgung und die Unterbringung in der Einrichtung kritisiert wurden. "Wir haben in dieser Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber nichts zu verbergen und wollen dies mit unserem kurzfristigen Besuchsangebot auch deutlich machen", so Staatssekretär Thomas Lenz. Außerdem sei es in der öffentlichen Diskussion über die Unterbringungen von Asylbewerbern immer von Vorteil, wenn alle den gleichen Informationsstand haben. "Wenn es berechtigte Kritik gibt, werden wir davor nicht die Augen verschließen. Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser sein könnte."

Der Staatssekretär betonte, dass die Erstaufnahmeeinrichtung in Nostorf/Horst grundsätzlich den Anforderungen an eine menschenwürdige Unterbringung und Versorgung von Asylbewerbern entspricht. "Die medizinische Versorgung der Asylbewerber ist jederzeit gesichert. So finden für die derzeit 348 Bewohner zur Zeit zweimal wöchentlich von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr Arzt-Sprechstunden statt, außerdem sind von Montag bis Freitag zwei examinierte Krankenschwestern des medizinischen Dienstes in der Aufnahmeeinrichtung. Sollte der Besuch eines Facharztes erforderlich sein, wird an niedergelassene Ärzte in naheliegenden Facharztpraxen überwiesen. Und außerhalb der Arztsprechstunden und der Öffnungszeiten des medizinischen Dienstes werden die Asylbewerber durch das im Landkreis Ludwigslust praktizierte "mobile Hausarztsystem" versorgt."

Einige Flüchtlinge der Erstaufnahmeeinrichtung in Nostorf/Horst hatten bemängelt, dass das Essen in der Einrichtung nicht abwechslungsreich genug ist und nicht ihren Essgewohnheiten entspricht. Hierzu stellte der Staatssekretär klar, dass in Nostorf/Horst Menschen aus rund 20 verschiedenen Nationen vorübergehend leben. Es wird jeden Tag für die Asylbewerber frisch und immer ohne Schweinefleisch gekocht, mittags und abends gibt es warmes Essen. Religiöse Besonderheiten wie der Ramadan werden ebenso berücksichtigt, wie die Bedürfnisse von Diabetikern, Allergikern und Vegetariern. "Der wöchentliche Speiseplan in Horst könnte ebenso z.B. in einer Betriebskantine hängen. Dass man allerdings bei einer zentralen Essensversorgung nicht die Essgewohnheiten aller Nationalitäten berücksichtigen kann, ist sicher für jeden nachvollziehbar."

Asylbewerber aus Nostorf/Horst hatten sich in den Medien auch darüber beklagt, dass sie länger als drei Monate in der Einrichtung bleiben müssen. Innenstaatsekretär Lenz nutzte den heutigen Besuch, um noch einmal das nach Bundesgesetz vorgeschriebene Verfahren zu erläutern. Ausländer, die einen Asylantrag stellen, sind nach dem Asylverfahrensgesetz dazu verpflichtet, zunächst in einer Erstaufnahmeeinrichtung längstens bis zu drei Monaten zu wohnen, danach sollen sie in der Regel in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. In Nostorf/Horst werden die Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes Mecklenburg-Vorpommern und eine Landesgemeinschaftsunterkunft betrieben. Die Asylbewerber bleiben in der Regel drei Monate in der EAE und werden dann in der Landesgemeinschaftsunterkunft untergebracht. In den meisten Fällen werden sie innerhalb weniger Monate, allerspätestens nach 18 Monaten, auf eine der insgesamt noch sieben Gemeinschaftsunterkünfte der Landkreise bzw. kreisfreien Städte in M-V verteilt. Familien mit Kindern werden innerhalb weniger Wochen in den Gemeinschaftsunterkünften der Landkreise und kreisfreien Städte zugewiesen, damit die Kinder dort ihrer Schulpflicht nachkommen können. Die Asylbewerber aus Hamburg sind allerdings nur vorrübergehend zur Erstaufnahme in der Einrichtung des Landes M-V. Sie werden nach ca. drei Monaten wieder in Hamburg untergebracht.

Mit heutigem Tag sind in Nostorf/Horst 377 Asylbewerber, von denen rund 111 der Stadt Hamburg zugewiesen wurden.

In Mecklenburg-Vorpommern insgesamt leben mit Stichtag 30. Juni dieses Jahres 1.022 Asylbewerber im Verfahren, 977 ehemalige Asylbewerber mit Duldung und als Asylberechtigte anerkannt 80 Menschen.
http://www.mvregio.de/nachrichten_region/433653.html

Abgeschottet in Mecklenburg-Vorpommern
Abgeschottet in Mecklenburg-Vorpommern. 'Es ist hier wie im Gefängnis', beschreibt Ali Reza S. das Leben im zentralen Aufnahmelager für Asylbewerber in Horst bei Boizenburg. Seit etwa vier Monaten lebt der 25-jährige Asylbewerber in den weiß-grauen Flachbauten hinter einem meterhohen grünen Maschendrahtzaun auf dem platten Land in Mecklenburg. 23.09.10 | 13:00 Uhr

'Es ist hier wie im Gefängnis', beschreibt Ali Reza S. das Leben im zentralen Aufnahmelager für Asylbewerber in Horst bei Boizenburg. Seit etwa vier Monaten lebt der 25-jährige Asylbewerber in den weiß-grauen Flachbauten hinter einem meterhohen grünen Maschendrahtzaun auf dem platten Land in Mecklenburg.
Abgeschottet in Mecklenburg-Vorpommern: 'Es ist hier wie im Gefängnis', beschreibt Ali Reza S. das Leben im zentralen Aufnahmelager für Asylbewerber in Horst bei Boizenburg. Seit etwa vier Monaten lebt der 25-jährige Asylbewerber in den weiß-grauen Flachbauten hinter einem meterhohen grünen Maschendrahtzaun auf dem platten Land in Mecklenburg. Vergrößern Abgeschottet in Mecklenburg-Vorpommern:
'Es ist hier wie im Gefängnis', beschreibt Ali Reza S. das Leben im zentralen Aufnahmelager für Asylbewerber in Horst bei Boizenburg. Seit etwa vier Monaten lebt der 25-jährige Asylbewerber in den weiß-grauen Flachbauten hinter einem meterhohen grünen Maschendrahtzaun auf dem platten Land in Mecklenburg.

Boizenburg (dapd-lmv). Mit ihm wohnen rund 370 weitere Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft des Landes Mecklenburg-Vorpommern (LGU). Seit mehr als einer Woche ist der Afghane im Hungerstreik, um auf seine Lebensumstände aufmerksam zu machen. Bis zu 15 weitere Bewohner haben sich ihm inzwischen angeschlossen.

Schon seit längerem protestieren auch Flüchtlingsorganisationen gegen die Einrichtung. Erst am Mittwoch demonstrierten rund 100 Bewohner und Unterstützer mit Plakaten und Sprechchören vor Ort für bessere Lebensbedingungen. Viele Flüchtlinge verbringen Monate in der mitten im Wald gelegenen Unterkunft, obwohl sie eigentlich nur für drei Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben sollen. Es seien Fälle bekannt, in denen Menschen anderthalb bis zwei Jahre dort seien, sagt Franz Forsmann vom Flüchtlingsrat Hamburg der Nachrichtenagentur dapd. Dies ist möglich, weil die Einrichtung nicht nur zur Erstaufnahme unter anderem von Hamburg, sondern zugleich als Landesgemeinschaftsunterkunft von Mecklenburg-Vorpommern betrieben wird.

Bedrückend erscheint vor allem die Situation der zahlreichen Kinder aller Alterstufen, die dort leben. Laut schwarz-grünem Koalitionsvertrag dürften in Horst zumindest aus Hamburg keine Familien mit Kindern untergebracht werden. Doch die Realität sehe anders aus, sagt Forsmann. Auch Fälle von Familien mit schulpflichtigen Kindern habe man bereits mehrfach dokumentiert. Die meisten Bewohner der LGU sind aus Kriegs- und Krisengebieten geflohen, viele sind traumatisiert.

Ali Reza hofft, dass er mit seinem Hungerstreik etwas bewirken kann, obgleich er große Angst vor Repressalien hat. Der junge Mann aus Kandahar ist blass und hat dunkle Augenringe. Nach mehr als sieben Tagen hungern kann er sich nur noch mit großer Anstrengung auf den Beinen halten. Für die Psyche der Bewohner ist vor allem die Ungewissheit belastend. Sie wissen oft nicht, wie lange sie bleiben müssen. Erhalten sie wie Ali Reza nach drei Monaten einen gelben statt des ursprünglich weißen Ausweises, kann die Verweildauer bis zu 24 Monate betragen. Für den Afghanen war dies der Anlass für den Hungerstreik: Er will wissen, wie es mit ihm weitergeht.

Die Kritik der Flüchtlinge und deren Hilfsorganisationen richtet sich inmitten der aufgewühlten Stimmung vor allem gegen die ihrer Ansicht nach unzureichende medizinische und rechtliche Versorgung und dagegen, dass es ihnen nicht erlaubt ist, selbst für sich zu kochen. Zwar wird in der LGU auf religiöse und gesundheitliche Besonderheiten Rücksicht genommen, etwa auf Schweinefleisch verzichtet und auch diabetische und vegetarische Kost angeboten.

Dennoch verursacht das ungewohnte Essen für die aus rund zwanzig Ländern stammenden Menschen Probleme. Er habe schon seit Monaten Durchfall, berichtet ein Bewohner. Vor der Essensausgabe müsse man zudem bis zu zwei Stunden anstehen. Das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns weist die Kritik als unbegründet zurück, die Standards für eine solche Einrichtung würden voll erfüllt.

Nun wird offenbar versucht, einen weiteren Arzt zu finden, damit es künftig vier- statt bisher zweimal wöchentlich eine Sprechstunde gibt. Und in der Kantine soll eine zweite Essensausgabe eingerichtet werden. Dem Flüchtlingsrat Hamburg reicht das nicht: Er fordert die Schließung der Einrichtung. Inzwischen habe man Strafanzeigen gegen den ärztlichen Dienst gestellt, weil kranken Bewohnern die notwendige medizinische Versorgung verweigert und lediglich Schmerzmittel verteilt worden seien, sagt Forsmann.

dapd
http://www.ad-hoc-news.de/abgeschottet-in-mecklenburg-vorpommern--/de/Ne...

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Ortstermin im Flüchtlingslager
Ein Planet, zwei Welten

Nachdem Asylsuchende die Zustände im Flüchtlingslager Horst angeprangert haben, luden die Verantwortlichen zum Ortstermin - und wiesen alle Vorwürfe zurück. VON MARCO CARINI

Protestieren gegen die Zustände: Asylsuchende im Flüchtlingslager Horst. Foto: mac

Der Herr Staatssekretär ist da, der Leiter des Landesamts für Migration auch und der Chef der Hamburger Ausländerbehörde sowieso. Großer Bahnhof in Horst, dem Grenzort zwischen Lauenburg und Boizenburg, der eigentlich nur aus Lager besteht. Die Sonne putzt die scheckigen Baracken schön und schön lassen die Worte der drei anwesenden Herren die Situation in dieser "Erstaufnahmeeinrichtung" für Asylsuchende das Leben in diesem Lager erscheinen.

Der Schweriner Innenstaatssekretär Thomas Lenz hat die Moderation übernommen und erklärt den Anwesenden, dass alle Vorwürfe, die gegen das Lager erhoben wurden, jeder Grundlage entbehren würden: Die medizinische Versorgung der 337 zur Zeit hier lebenden Flüchtlinge sei gut, dass Essen zwar aus der Kantine, aber abwechslungsreich und ohne Schweinefleisch. Außerdem sei keiner der 111 Asylsuchenden, die Hamburg zur Zeit in Horst untergebracht hat, länger als drei Monate hier.
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"Natürlich kann man immer noch was verbessern", sagt der Staatssekretär und macht zugleich deutlich, dass ihm eigentlich nicht viel einfällt, was geändert werden sollte. Okay, da heute doppelt so viele Asylsuchende hier untergebracht sind wie noch vor wenigen Monaten, werde noch ein zweiter Arzt angeworben, um die medizinischen Sprechzeiten zu verdoppeln. Aber sonst?

Und die Hungerstreiks im Lager? Lenz und Wolf-Christoph Trzeba vom Landesamt für Migration wissen nur von einem Flüchtling, "der vorgibt, das Essensangebot abzulehnen". Dass der Hamburger Flüchtlingsrat von zehn bis fünfzehn Hungerstreikenden spricht, im Lager Transparente mit "Hungerstreik - Bis sich was ändert!" ausgerollt wurden - Schulterzucken bei den drei Herren.

Sprechen mit den Flüchtlingen, das dürfen die eingeladenen Journalisten auch, wobei die Lagerinsassen gehofft und erwartet haben, dass nun mal einer der Verantwortlichen - wo sie doch alle schon mal hier sind - direkt mit ihnen spricht. Wer den Asylsuchenden zuhört, bekommt eine andere Wahrnehmung des Lagers gespiegelt. Während ein Koch vorbereitete Speisepläne an die Journalisten verteilt, in denen sich Rinderbraten und bunte Fischpfanne finden, erzählen die Flüchtlinge, dass es jeden Tag nur "Reis oder Nudeln" gäbe.

Mehrere schwangere Frauen berichten, dass ihnen jede gynäkologische Voruntersuchung verweigert worden sei, Schwangerschaftsbeschwerden würden mit Paracetamol behandelt. Der Hamburger Flüchtlingsrat hat eine Liste von einem halben Dutzend Fällen erstellt, in denen Schwerkranken eine Behandlung verweigert worden sei. Die Ärztekammer ist eingeschaltet.

Jeder hat hier etwas zu beklagen und alles passt so gar nicht zu dem, was die drei Herren vom Amt erzählen. Sollte da vielleicht, irgendwo mitten im Auffanglager Horst, ein Paralleluniversum existieren?
http://www.taz.de/1/nord/artikel/1/ein-planet-zwei-welten/

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Die Welt: 30.09.10 Drucken Versenden Bewerten
Bürgerschaft debattiert Zustände im Hamburger Flüchtlingslager in Mecklenburg

Linke drängt erneut auf Schließung - CDU und GAL weisen Berichte über "menschenunwürdige Zustände" deutlich zurück
Von Florian Hanauer

Die angeblich "menschenunwürdige Praxis" in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Nostorf/Horst, die Hamburg mitnutzt, brachte die Linke in die Aktuelle Stunde der Bürgerschaft. Anlass war ein Hungerstreik von Flüchtlingen in der Einrichtung in Mecklenburg in der vergangenen Woche. Mehmet Yldiz (Linke) kritisierte die Überbelegung der Zimmer und die Zustände in puncto Hygiene und medizinische Versorgung. "Familien mit Kindern werden, entgegen der Zusage im Koalitionsvertrag, dort weiterhin untergebracht." Auch durch die Lage in Mecklenburg würden die Menschen isoliert. "Die Menschen haben Schlimmes erlebt und sind traumatisiert. Sie hoffen auf eine bessere Zukunft in Deutschland." Doch hier pferche man sie weitab der Zivilisation in Lagern ein.
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Doch Kai Voet van Vormizeele (CDU) warnte davor, allzu leichtfertig die "menschenverachtenden Zustände" zu kritisieren, niemand wolle die Flüchtlinge menschenunwürdig behandeln. Ein Ausstieg aus der Einrichtung in Horst sei nicht ohne Weiteres möglich, dabei seien die Kontingente Hamburgs dort schon stark heruntergefahren worden. Kurzfristig habe man dort wegen steigender Erstaufnahmezahlen aber wieder Familien unterbringen müssen. Linda Heitmann (GAL) fügte unter anderem hinzu, dass in der Anlage Flüchtlinge nicht länger als drei Monate bleiben sollten und hochschwangere Frauen gar nicht. Sie habe keine Verstöße gegen die Verabredungen der Koalition bei ihrem Besuch in Nostorf/Horst festgestellt; populistische Forderungen außerhalb des Hamburger Zuständigkeitsbereiches seien fehl am Platze.

Doch auch Metin Hakverdi (SPD) griff die Kritik an der Einrichtung auf und bemerkte, dass die Zahlen der Aufnahme nicht "heruntergefahren" wurden. flo

http://www.welt.de/die-welt/regionales/hamburg/article9970646/Buergersch...