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Erklärung der vier protestierenden afghanischen Flüchtlinge in Eisenberg

Wir wollen eine menschenwürdige Aufnahme – Wir weigern uns, im Lager Breitenworbis untergebracht zu werden

Wir führen hier keinen Krieg, wir bleiben friedlich. Unsere einzige Forderung ist: Wir wollen nicht in Breitenworbis untergebracht werden! Das ist kein Übergangsheim, wo wir 1-2 Monate bleiben würden, sondern ein Ort, an dem wir auf unbestimmte Zeit, im Falle einer Ablehnung im Asylverfahren auf 3, 4 oder mehr Jahre bleiben müssen. Dort gibt es keinerlei Voraussetzungen für ein geregeltes Leben.

Wir haben jahrelangen Krieg hinter uns. Wir haben nie Ruhe gehabt, nie die Chance auf Bildung, nie die Aussicht auf eine Zukunft. In Breitenworbis hätten wir keinen Sprachkurs und durch die abgeschiedene Lage keinerlei Kontakt zur Bevölkerung. Unser Wunsch auf Bildung, auf eine Zukunft bliebe uns dort verwehrt.

Wir haben Kriege mit den Taliban erlebt, Kriege mit den USA und mit der NATO und es wird in naher Zukunft auch kein Ende nehmen. Wenn wir keine wirklichen Probleme hätten, könnten wir gleich zurückgeschickt werden – aber wir haben reelle Probleme! Wir waren unter Lebensgefahr zur Flucht gezwungen und haben riesige Gefahren auf uns genommen, um hierher zu kommen.

Doch hier erwartet uns nun die Isolation in Breitenworbis.

Auf den ersten Blick wussten wir, dass wir dort nicht bleiben können. Die Situation ist noch nicht einmal halb annehmbar, sie ist schlichtweg eine Katastrophe.

Als wir die verschiedenen Menschen dort getroffen haben, darunter auch Afghanen, haben wir gesehen, dass sie alle psychisch am Ende sind. Die Flüchtlinge leben dort jahrelang nur mit einer Duldung, mit permanenter Angst vor Abschiebung oder mit missglückten Abschiebeversuchen, was sie zermürbt hat.

Wenn Deutschland uns nicht will, soll es uns Möglichkeiten zur Weiterreise geben. Das ist keine Gerechtigkeit hier. Wo sind hier die Menschenrechte? Sowas kennen wir schon, hier hatten wir das aber nicht erwartet.

Wir wollen nicht viel, wir wollen einfach an einem menschenwürdigen Ort untergebracht werden.

Eisenberg, 4. April 2012
Jalil Amiri
Samir Al-Molk
Basir Ghafari
Aref Mozafari

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