You are here

Flüchtlinge aus dem Camp-Streik untersuchen die Zustände in Suhl

Flüchtlinge aus dem Camp-Streik untersuchen die Zustände in Suhl - Es ist nicht akzeptabel, dass wir beleidigt werden und dass unsere Sicherheit gefährdet ist.

VIDEO:
Protest at refugee camp in Suhl, Germany (1/2)
https://www.youtube.com/watch?v=rw1-qobS7d0

Ich flüchtete vor den syrischen Massakern in Syrien und entkam in die Türkei. Ich beschloss, mit meiner Familie nach Deutschland zu gehen. Ich habe keine große Familie, nur meine Frau und mein Kätzchen. Wir mussten eine gefährliche Reise auf uns nehmen. Wir hatten so viel Glück, dass wir überlebten und nicht zwischen der Türkei und Griechenland in der Ägäis ertranken. Wir verbrachten Tage über Tage mit Fußmärschen oder Bus- und Zugtransfers von Griechenland zur deutschen Grenze. Insgesamt haben wir nach und nach sechs Länder durchreist, bevor wir schließlich Deutschland erreichten.

Wir kamen in Deutschland am 15. September 2015 an. Die deutschen Behörden in Hermsdorf gaben uns ein gelbes Papier, das „Hausausweis“ genannt wurde, auf dem kein Datum für ein Interview stand. Anschließend wurden wir in das Lager Suhl umverteilt. Dort waren wird schockiert über das Ausmaß an Korruption und die schlechte Behandlung und die Diskriminierung von Seiten der Beamten im Lager.

Sie haben sich nie um die Gesundheitssituation der ganzen Flüchtlinge oder ihre rechtlichen Belange gekümmert. Der medizinische Dienst und die Gesundheitsfürsorge dort sind mehr als schlecht. Wir warteten drei Wochen auf einen Gesundheitscheck. Im Gegensatz zur Praxis in anderen Lagern in Deutschland wurden uns – mir und meiner Frau - dort sowohl ein Termin für ein Asylinterview als auch eine Umverteilung in ein anderes Lager vorenthalten. Das Schlimmste war, dass einige Angestellte dort die Bedürfnisse der Menschen ausbeuteten und von einigen Flüchtlingen Geld nahmen im Austausch für eine Umverteilungserlaubnis, die einem ermöglicht, das Lager zu verlassen. Wiederholt bat ich – nach 50 Tagen im Lager – die Angestellten dort, meinen Namen auf die Transferliste zu setzen, doch ohne damit etwas zu erreichen. Der Verantwortliche wies meine Anfrage ab. In der letzten Zeit wurde mir nicht einmal mehr erlaubt, mich erneut zu registrieren unter dem Vorwand, dass ich schon mehr als dreimal registriert worden war – was absolut falsch war.

Zudem waren wir mehrfach den Erniedrigungen der Manager des Roten Kreuzes ausgesetzt. Sie sagten uns: Geht zurück nach Syrien, wenn euch die Situation nicht passt!Dazu kommt die Ausbreitung von Krätze und Hepatitis im Lager. Die Lagerverwaltung schenkte dieser Situation keinerlei Aufmerksamkeit. Wir organisierten ein Sit-in vor dem Verwaltungsgebäude Nr. 20. Von den Sicherheitsangestellten des Camps wurde ich schlecht behandelt. Sie versuchten mir mein Mobiltelefon wegzunehmen, denn ich filmte, was passierte, und sie drohten mir, mich zur Polizei zu bringen. Und weil ich im Namen aller Flüchtlinge mit den Medien sprach, ignorierten die Behörden meinen Fall. Sie verweigerten unseren Transfer. Es schien so, als kämen alle Flüchtlinge zum Lager und würden dann weiter an einen anderen Platz umverteilt, nur ich war dazu verurteilt, vergessen zu werden. Wir verfassten einen Antrag an das Rote Kreuz in Suhl und verschiedene Medienzentren, aber es gab keine Antwort. Wir sprachen mit Fernsehkanälen, wie zum Beispiel dem ZDF am 27. Oktober 2015. Wir schickten eine E-Mail mit allen erforderlichen Dokumentationen im Anhang, aber auch von dort kam keine Antwort. Meine Freunde bei BuzzFeedNews halfen mir, einen Bericht über die Situation im Lager zu veröffentlichen, der durch Aussagen von Rotkreuzangestellten selbst, von Leuten aus dem Lager und durch eine Bescheinigung von Abgeordneten des Thüringer Parlaments gestützt wurde. Das Büro des Ministeriums sagte uns, dass sie über die Situation im dubiosen Lager in Suhl informiert seien.

Wir litten unter ernsthaftem Druck. Es gab niemanden, der uns half. Niemand kümmerte sich um uns. Deshalb beschlossen wir, das Lager zu verlassen. Im Moment arbeite ich daran, die Wahrheit über die menschenverachtende Behandlung im Lager Suhl aufzudecken. Ich habe schlüssige Beweise, die die Beteiligung eines Angestellten dabei belegt, von Flüchtlingen Geld zu nehmen, sowie einen Beweis für die Ausbreitung von Hepatitis in unserem Gebäude, insbesondere im ersten Stock.

Dies ist ein sehr allgemeiner Überblick über die Situation im Lager Suhl. Im Moment halten wir uns im Gebiet Jena auf. Wir wollen nicht in das Lager Suhl zurück. Wir brauchen Gerechtigkeit und Gleichheit in diesem Lager. Es ist nicht akzeptabel, dass wir beleidigt werden und dass unsere Sicherheit gefährdet ist.

Ich möchte mein Problem im Einklang mit dem deutschen Recht lösen. Wir brauchen eine anständige Unterkunft, für mich, meine Frau und unser kleines Kätzchen. Eine Untersuchung über die administrative Korruption im Lager Suhl muss eingeleitet werden.

Sich um Flüchtlinge zu kümmern, ist eine menschliche Verantwortung. Ein Flüchtling zu sein, ist keine freiwillige Entscheidung. Dass jemand ein Flüchtling ist, gibt anderen nicht das Recht, seine Bedürfnisse zum eigenen Vorteil auszunutzen.

Zuallererst sind wir alle Menschen. Es spielt keine Rolle, ob sie uns Flüchtlinge nennen.

Moneer and Nadia via E-Mail kontaktieren: moneer.alkadry@gmail.com

Erstaufnahmelager Suhl in der internationalen Presse Refugee Rescued With His Cat Exposes „Dangerous And Unlivable“ Conditions In German Camp http://thevoiceforum.org/node/4025

Flüchtlinge aus dem Camp-Streik untersuchen die Zustände in Suhl
(Refugee Community in Thueringen)

Email: thevoiceforum@gmx.de

The VOICE Refugee Forum
http://thevoiceforum.org

Languages: