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Berichten: Karawane -Tourstations in Düsseldorf und Frankfurt am Main

Berichten: Karawane -Tourstations in Düsseldorf und Frankfurt am Main
http://thevoiceforum.org/node/511
Faxkampagne für die Schließung des Lagers in Freienbessingen
http://thecaravan.org/files/caravan/fax.pdf
Bericht Karawane Tourstopp in Jena - Rassismus tötet! Kein Kompromiss mit Abschiebungen!
Tourstopp in Jena und Freienbessingen, Forchheim, Neuburg - Donau
http://thevoiceforum.org/node/509

Karawanestation Düsseldorf: Gemeinsam gegen Abschiebung, Ausgrenzung und Ausbeutung

Am 24. Mai machte die Karawanetour Stopp in Düsseldorf. Im ZAKK fand eine Konferenz unter dem Titel: „Gemeinsam gegen Abschiebung, Ausgrenzung und weltweite Ausbeutung" statt. Diese Veranstaltung sollte den ZuhörerInnen die Möglichkeit geben, die Situation der Flüchtlinge in NRW und ihren Herkunftsländern kennenzulernen und sich darüber auszutauschen.

Eingangs stellte eine Aktivistin aus Nürnberg die Karawane mit ihren Zielen und Strategien vor. Zwei Beispiele von Polizeibrutalität gegenüber jungen Afrikanern wurden danach benannt. Oury Jalloh verbrannte am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Erst die große Kampagne „In Gedenken an Oury Jalloh" führte dazu, dass sich die Polizisten seit dem 27. März 2007 vor Gericht verantworten müssen.
Hintergrundinformationen sind unter http://www.so36.net/ouryJalloh nachzulesen. Es wurde aufgerufen, sich an der Demonstration am 23. Juni in Dessau (14:00 Uhr, HBF) zu beteiligen und unseren Forderungen nach einer lückenlosen Aufklärung Nachdruck zu verleihen. Oury Jalloh steht symbolisch für alle Fälle von Polizeibrutalität gegen MigrantInnen und speziell gegen Schwarze. Als ein Beispiel aus NRW wurde der Tod von Dominique Koumadio aus Dortmund berichtet. Am 14. April 2006 wurde er von zwei Polizisten in Dortmund erschossen. Der junge Kongolese kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland und war erst sieben Monate vor seinem Tod als Asylbewerber „anerkannt" worden. Sein Fall ist im Bericht über Dortmund wiedergegeben (mehr unter www.thecaravan.org).

Ein Flüchtling aus einem Flüchtlingsheim in Remscheid berichtete von den dortigen
Lebensbedingungen. Dabei konzentrierte er sich auf drei Themen, dem Tod von Mohammad Selah im Januar, die Abschiebung seines Freundes Solomon und der Rassismus der Polizei in der Stadt Remscheid.

Tod durch mangelnde Gesundheitsversorgung

Flüchtlingen ist die Gesundheitsversorgung mehrfach nur verzögert gewährt oder gänzlich verweigert worden. Im Fall von Mohammad Selah (link zum Artikel auf thecaravan „Wieder fordert die Staatsgewalt ein Todesopfer") führte die Verweigerung eines Krankenscheines zu seinem Tod in einem Essener Krankenhaus.
Trotz der akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes wurde ihm notärztliche Hilfe verweigert. Nur mit Hilfe eines anderen Flüchtlings gelangte er in ein Krankenhaus, in dem er verstarb.

Trennung von Familien durch Abschiebung

Solomon, ein Flüchtling aus Nigeria, lebte in derselben Flüchtlingsunterkunft wie der verstorbene Mohammad Selah. Er hatte ein Kind mit seiner deutschen Freundin.
Weil er nach langen Bemühungen nicht das Recht zugesprochen bekam, mit seiner Freundin und seinem Kind zusammenzuziehen und keinen sicheren Aufenthaltsstatus bekam, wurde sein Wut tagtäglich größer. Nach dem er einmal im Heim die Möbeln und die Fenster zerschlug, wurde er tags später am frühen Morgen um fünf Uhr abgeholt und deportiert. Aus Lagos erzählte Solomon seinen Freunden in Remscheid, dass er in Pyjama und Hausschuhen abgeschoben wurde. Er wurde für die Abschiebung mit Medikamenten ruhiggestellt. Er hat bei der Abschiebung nichts gefühlt und wachte erst in Lagos auf. Seine Freundin und Kind leben weiterhin in Remscheid.

Täglicher Polizeirassismus auf der Straße

In der Stadt Remscheid leben nicht viele Flüchtlinge. Sie sind fast alle der Polizei bekannt. Trotzdem kommen schwarze Flüchtlinge abends in Remscheid nicht weiter als 100 Meter. Sobald sie sich in der Stadt bewegen wollen, werden sie von der Polizei kontrolliert und auf Drogenbesitz durchsucht. In der Stadt Remscheid spüren die Flüchtlinge Abweisung, Abweisung und Abweisung. Die Polizeibrutalität bekamen einige Flüchtlinge in der Polizeiwache zu spüren. Sie wurden ausgezogen, geschlagen, erniedrigt.

Ausbeutung der MigrantInnen ohne Papier

Eine Vertreterin von ´Migrante Europe´ war extra aus Niederlanden für die Konferenz angereist. ´Migrante Europe´ ist die Organisation der philippinischen MigrantInnen in Europa. Sie ist die Stimme dieser Menschen und setzt sich für eine demokratische, selbstbestimmte philippinische Gesellschaft ein. Die Referentin berichtete über die Situation der papierlosen migrantischen ArbeiterInnen in Europa. Diese besitzen keine Ausweispapiere und haben daher auch keinen Aufenthaltstatus. Sie haben keine sozialen Rechte, sind von Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeitslosen- und Rentenversicherung ausgeschlossen. In Holland sind viele in der Agrarwirtschaft beschäftigt. Sie pflücken z.B. Tomaten, Zucchinis, Gurken, Blumen. Sie werden gegeneinander ausgespielt, um die Löhne zu drücken. Die marokkanischen ArbeiterInnen verlieren nun ihre Arbeit, weil die
Arbeitgeber aus Osteuropa bereit sind, für 4 bis 5 Euro statt für 7 Euro zu arbeiten. Mittlerweile sind viele Agenturen bei der Einstellung der ArbeiterInnen beteiligt. Diese bekommen von den Arbeitgebern über 5 Euro pro Arbeiter pro Stunde. Also werden die ArbeiterInnen doppelt ausgebeutet und um ihren Lohn gebracht. MigrantInnen ohne staatlich ausgestellte Papiere können ihre Rechte gegenüber ihren Arbeitgebern nicht einfordern, weil sie sofort gefeuert oder denunziert und abgeschoben werden. Sie berichtete von den Philippinischen MigrantInnen in Europa. 85% von ihnen sind Frauen. Die meisten arbeiten im Haushalt.

Neben der Situation der MigrantInnen ohne Papiere schilderte sie am Beispiel von Prof. José Maria Sison die Einschüchterung und Einschränkung von AktivistInnen und Oppositionellen durch den sogenannten Kampf gegen den Terror. Sie stellte die Kampagne zu seiner Unterstützung vor.

Eine Vertreterin der Föderation der kurdischen Vereine in Deutschland (YEK-KOM) mit Sitz in Düsseldorf berichtete sowohl über die Situation der KurdInnen in der Türkei als auch hier in Europa. Neben dem Krieg in Kurdistan, der unvermindert von der türkischen Regierung gegen die kurdische Bevölkerung geführt wird, beschrieb sie die Verfolgung kurdischer Menschen hier in Europa. Die meisten erleben bei der Verlängerung ihres Aufenthaltes oder nach der Beantragung der Einbürgerung Probleme und Repressionen vom deutschen Staat, weil sie sich in Vereinen betätigen oder an Demos beteiligen. Der deutsche Staat verletzt somit gegen das demokratische Recht der KurdInnen, die sich nach Frieden und einem selbstbestimmtem Leben sehnen. Mit der Diskussion um die Aufnahme der Türkei in die EU fing die Bundesregierung sogar an, anerkannten kurdischen Flüchtlingen die Pässe zu entziehen, weil der Demokratisierungsprozess zur Verbesserung der Menschenrechtslage in der Türkei führte. Dogan Genc, Vorstandsmitglied des Menschenrechtsvereins IHD (Insanl Haklari Dernegi) zeichnete ein anderes Bild der Menschenrechtsituation in der Türkei als die, die die Bundesregierung und ihre Behörden uns bei Asylverfahren zur Ablehnung der Asylanträge präsentieren. Er stellte den Jahresbericht über die Folgen des systematischen Staatsterrors in der Türkei vor und nannte die Zahlen über illegale Hinrichtungen, Folterungen, Verletzungen und vieles mehr (link Jahresbericht IHD 2006). Zudem beschrieb er die Abschottungspolitik der Türkei gegenüber Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika und nannte die Opferzahlen des letzten Jahres.

Zum Abschluss der Konferenz wurde der Film „Nix Passiert - Polizeibrutalität in Wuppertal" gezeigt. Er gibt in Interviews wieder, wie Abraham Habtemariam in Wuppertal von Polizisten nach einer Polizeikontrolle in eine Polizeizelle geschleppt und dort brutal zusammengeschlagen wurde. Übergriffe durch die Polizei werden seit einiger Zeit vermehrt in Wuppertal gegenüber jungen MigrantInnen und Punks verübt.

Im Anschluss begaben sich die BesucherInnen der Konferenz zum Oberbilker Markt, um dort an einer Demonstration durch die Düsseldorfer Innenstadt teilzunehmen. Die rund 70 Protestierenden brachten mit viel Energie und lautstarken Parolen ihre Forderungen auf die Straße. Die Inhalte ihres Protestes stiessen vor allem in den MigrantInnenvierteln auf großen Zuspruch, die sich durch das Victory-Siegeszeichen solidarisch mit dem Protestzug erklärten. Die RednerInnen riefen die Menschen dazu auf, sich für die Rechte der MigrantInnen und Flüchtlinge einzusetzen und nicht wegzusehen. Die Karawane-Tour-Zeitung wurde zahlreich verteilt. Die Demonstration endete mit einer Abschlusskundgebung am Schadowplatz.
Am darauffolgenden Morgen ging es mit der Karawane-Tour weiter zu einer Kundgebung und Gedenkveranstaltung zum gewaltsamen Tod von Dominique Koumadio nach Dortmund.
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Karawanestation Frankfurt am Main

23. Mai 2007 um 2 Uhr morgens kommt die Karawane an. Letzte Station war Freibessingen. Die Eindrücke aus dem Lager dort sind den Gesichtern der Karawanisten abzulesen.

Jetzt heißt es erst einmal zur Ruhe kommen und den morgigen Tag kurz besprechen.
Ab mittags erwartet die Karawane ein ‚Marktplatz der globalen Solidarität’. Den Veranstaltern geht es hier kurz gesagt darum, Spaltungen und Partikularinteressen zu thematisieren und möglicherweise auf ihre Überwindung hin zu arbeiten. Unter den Schlagworten Krieg und Flucht, Arbeit und Migration soll über unterschiedliche Interessenlagen und Wahrnehmungen gesprochen werden. Die Karawanegruppe Frankfurt hat die Aktivisten von der Antimilitaristischen Initiative Eritrea und Äthiopien eingeladen, über ihre Erfahrungen von Krieg, Militarisierung und Flucht zu berichten. Zur Diskussion steht die Demokratiefrage. Die Heimatländer, die von Krieg und Zerstörung heimgesucht werden, haben keine demokratischen Strukturen.
Aber ist Deutschland, wo z.B. Flüchtlinge keine Bürgerrechte und Menschenrechte genießen, eine Demokratie? Ganz klar und lautstark wird die Verantwortung dieser Länder für die Zerstörung der Länder in Kriegsgebieten und für die Flucht von Millionen von Menschen
formuliert. Die Konstabler Wache, ein zentraler Platz auf der Konsummeile Frankfurts, erweist sich als ein wirksamer Kundgebungsort - dort halten sich viele Menschen mit migrantischem Hintergrund auf und sammeln sich interessiert, um dem Gespräch über Krieg und Militarisierung zu folgen. Viele von ihnen sind offensichtlich bewegt durch die offensive Haltung der Karawane: „ Wir sind nicht hier, um etwas zu erbitten, sondern für unsere Rechte zu kämpfen.", so ein Karawanist während der Veranstaltung.

Ein anderer Schwerpunkt ist Arbeit und Migration. Die Hanauer Gruppe ‚Kein Mensch
ist illegal’ hat einen Vertreter der IG Metall und die Karawane eingeladen, über die Widersprüche und Perspektiven vor dem Hintergrund von Lohndruck und Lohnkonkurrenz zu reden. Das beinhaltet auch die Lage der Migranten, Flüchtlinge und Illegalen ernst zu nehmen und den Zusammenhang zwischen Ausländerrecht und Arbeitsrecht stärker zu thematisieren und zu kritisieren. Es ist Konsens, dass die Gewerkschaften in dieser Hinsicht noch in den Kinderschuhen stecken und dass dort noch viel politische Arbeit geleistet werden muss.

Die Initiative gegen Abschiebung IGA hat einen Beitrag in Form eines verbalen Ballets vorbereitet. Es geht um die Abschiebepraxis auf dem Flughafen Rhein-Main, um die Fraport und die Demonstrations- und Flughafenverbote für Abschiebungsgegner. „Der Flughafen ist nicht der Fraport ihr Wohnzimmer" ist auf einem Banner zu lesen. Die Initiative erinnert an die Ermordung von Amir Ageeb durch BGS Beamten - auf dem ganzen Platz im großen Radius stehen Menschen und hören sichtlich betroffen zu. Einige von ihnen arbeiten am Flughafen. Die Fraport ist einer der größten regionalen Arbeitgeber. Das führt zu angeregten Gesprächen.

Das Programm geht bis um 22 Uhr. Die Quiz Show „Deutschland sucht den Superdeutschen" sorgt dafür, dass auf einfache Weise mal geklärt wird, wer dazu gehört und wer nicht. Deutschland braucht nur Menschen, die ausgepresst werden können und einen Nutzen für den Standort haben. Hier darf mal ordentlich drauf gehauen werden.
Zum Abschluss sorgen die Musiker der Gruppe ohnefronten aus Offenbach für Stimmung
auf dem Platz bis der Bus anrollt und die Karawane sich verabschiedet.
Ganz schön was los auf der Konstabler - Summa summarum: viele Gespräche, viele Interessierte und gute Stimmung. Der Kampf geht weiter.

Karawane stoppt in Bremen
Kundgebung zur Situation der Flüchtlinge in Deutschland

Von unserem Redakteur
Jürgen Hinrichs

BREMEN. "Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört!" - mit dieser Parole zieht seit einer Woche eine Karawane durch Deutschland, die am Pfingstsonntag Station in Bremen machte. Während einer Kundgebung vor dem Bahnhof, an der nach Angaben der Veranstalter rund 150 Menschen teilnahmen, und der anschließenden Fachkonferenz wurde die Situation der Flüchtlinge in Deutschland ausgeleuchtet. Eine Rolle spielten dabei unter anderem die geltenden Regeln zum Bleiberecht und - speziell auf Bremen bezogen - der polizeiliche Brechmitteleinsatz gegen den Afrikaner Laye Alama C. vor knapp zweieinhalb Jahren. Der Mann aus Sierra Leone hatte nach ärztlichem Befund einen "Hirntod durch Ertrinken" erlitten. Der Fall brachte die Polizei und den Innensenator Thomas Röwekamp damals in große Erklärungsnot.Nach den Aktionen in Bremen ist die Karawane gestern nach Oldenburg weitergezogen. Dort klagen die Initiativen, darunter der Flüchtlingsrat Bremen, die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände im Flüchtlingslager Blankenburg am Rande der Huntestadt an. Eine Demonstration durch die City lenkte die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der
Bewohner von Blankenburg.Während der insgesamt zwei Wochen wird die Karawane an 16 Stationen Halt machen. Der Auftakt war in Neuburg an der Donau, enden wird die Tour in Rostock, um von dort aus an den Protesten gegen den G8-Gipfel teilzunehmen.

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