Ein anderes Gesicht des Kolonialismus

Ein anderes Gesicht des Kolonialismus

Das Verhalten der nigerianischen Botschaft über die Jahren ist erschreckend und anstatt das es sich verbessert, verschlechtert es sich, trotz der andauernden starken Kritik.

Normalerweise ist es die Aufgabe einer Botschaft die Interessen ihres Landes, insbesondere den Schutz seiner Bürger im Gastland, zu vertreten.
Unsere Erfahrungen beweisen, dass die nigerianische Botschaft standhaft sogenannte freundschaftliche Beziehungen mit dem Gastland pflegt, zum Nachteil seiner Bürger.

Noch erschreckender ist ihre ununterbrochene Zusammenarbeit mit den kolonialen Monstern bei den unmenschlichen Zwangsabschiebungen über Lagos als Transit-station, ungeachtet der Situation Nigerias als Unterzeichner der Allgemeinen Menschenrechtserklärung

Mit großen Bedauern drücken wir unsere Enttäuschung aus über das „mich-interessiert-es-nicht“-Verhalten, das die Diplomaten weit ausserhalb der nigerianischen Landesgrenzen verbreitet haben. Wir meinen das alt bekannte Verhalten, Vorwürfe der Korruption und Misstrauen der nigerianische Botschaft gegenüber zu ignorieren, trotz der Behauptung
ihrer Entschlossenheit, das schlechte Image des Landes aufbessern zu wollen.

Stellen Sie sich vor, der nigerianische Botschaft wird vorgeworfen, dass sie für jeden in ihrem mobilen Konsulat zur Abschiebung identifizierten Afrikaner 500 Euro Kopfgeld erhält (1). Dies hat die Beziehungen zwischen Nigerianern und Bürgern anderer afrikanischer Ländern
verschlechtert.

Die Schikanen, denen Afrikaner während einer Abschiebungsanhörung der deutschen Behörden in Kollaboration mit dem mobilen nigerianischen Konsulat in Ludwigsburg, Baden-Württemberg im März 2008 ausgesetz waren, sind in einem Bericht festgehalten (2).

Es ist beschämend, dass unsere Botschaften uns als „bemitleidenswerte Objekte“ gegenüber diesen kolonialen Monstern bezeichnen, welche nicht nur unsere Länder und Kulturen zerstörten, sondern uns unser Recht gegen die angehende Ausbeutung der natürlichen Resourcen unserer Länder zu kämpfen absprechen.

Warum, nach all den Jahren der Erfahrung, lassen sich unsere Regierungen und Politiker von politischen Erklärungen wie „freundschaftliche Beziehungen aufrechterhalten“ nach dem alten Muster eins geben, 10 nehmen, immer noch belügen. Was uns zu der Frage bringt: „Wann werden alle diese Überbleibsel des Kolonialismus und seine zentrale Theorie der
Unterdrückung überwunden werden?“

Als Nigerianer können wir uns mit unserer Botschaft nicht identifizieren, denn das Verhalten der Botschaftsangehörigen ist nicht anders als das, was wir bei den deutschen Behörden erleben, einerseits als Ausländer, anderseits als Afrikaner. Noch schlimmer als Nigerianer.
Viele Nigerianer werden gegen ihren Willen gezwungen ihre Staatsangehörigkeit zu verneinen, was die nigerianische Botschaft weigert zur Kenntnis zu nehmen.

Eine weitere Beleidigung seitens der nigerianischen Regierung ist, dass sogar von der Botschaft in Berlin ausgestellte Dokumente, geschweige aus dem weitentfernten Nigeria, von den deutschen Behörden nicht anerkannt werden. Im Gegenteil werden von den deutschen Behörden ausgestellte Dokumente von den nigerianischen Behörden, im In-, wie im Ausland,
bevorzugt. Das sind also nigerianisch-deutsche Freundschaftsbeziehungen?

Aufgrund des Obigen erklären wir folgendes:

Dass der Herr Botschafter - Seine Exzellenz ABDUL-KADIR BIN RIMDAP - überprüfen sollte welches Ansehen die Botschaft hier in Deutschland genießt.Sie mögen es nicht verstehen, aber diejenigen unter uns, die darunter gelitten haben, kennen welche Erniedrigung wir ausgesetzt sind, wenn wir von ihrer Botschaft ausgestellte Dokumente einem deutschen Beamten oder einer deutschen Behörde vorlegen.

Dass der Herr Botschafter wissen sollte, dass für uns Nigerianer nur der Gedanke, die Botschaft in Berlin zu besuchen, ist an sich ein Trauma.
Dort erwartet einen, abgesehen von den mangelhaften Botschaftsdienstleistungen, u.a. Erniedrigung durch Dienstboten und Sachbearbeiter, welche sich hinter der Tarnung von Maßanzügen, die sie mit den Bestechungsgeldern kauften, die sie für normale
Konsularleistungen von Ihren Mitbürgern erpressten, wie Spitzenbeamten aufführen. Wie peinlich, besonders wenn wir von Menschen aus anderen Ländern begleitet werden.

Dass Sie wissen sollte, dass die meisten Nigerianer die nigerianische Botschaft schlecht gelaunt verlassen, nachdem sie den ganzen Tag vergeudet haben in dem hoffnungslosen Versuch, Konsularleistungen zu erhalten, die uns als Bürger angeblich zustehen.

Der Herr Botschafter sollte auch wissen, dass wir unsere Beobachtungen mit Beweisen untermauern können, diese aber aus humanitären Gründen und in der Erwartung dauerhafter veränderter Einstellungen noch nicht veröffentlichen werden. Die betroffenen Beamten sollten sich dies merken.

Die führenden Beamten können es nicht abstreiten, dass sie von solchen Vorfällen wussten und wir können es nicht anders betrachten als Teil einer von ihnen verfolgten Strategie infolge der entstandenen Krisensituation, welche ihr Eingreifen veranlasste. Das Ergebnis dennoch ist die Unterstützung ihrer jüngeren Kollegen, welches auf einen Fall von „eine Hand wäscht die andere“ hinweist oder ein Ausdruck politischer Vetternwirtschaft ist, wo junge Beamte in vielen Fällen einflussreicher als alt gediente sind.

Nochmals Herr Botschafter, eine veränderte Einstellung des Konsularpersonals bei der Ausführung seiner Arbeit ist vonnöten.
Aufgrund dessen bitten wir Sie Ihr Augenmerk auf die Jungs in den tiefer gelegenen Etagen zu richten, vor allem am Eingang, um Ihre Mitbürger, die auf Ihre Unterstützung dringend angewiesen sind, zu retten.

Bezüglich der Behauptung der Regierung, Nigerianer, die sich im Ausland ohne Aufenthaltsgenehmigung aufhalten, schaden dem Ansehen des Landes, bleibt die Frage unbeantwortet: Was hat die nigerianische Regierung ihren Mitbürgern anzubieten? Und wie lange noch können wir die Politik der Ausgrenzung, sowohl im In-, wie auch im Ausland, weiter verfolgen?

Als Nigerianer befinden wir uns in einem Überlebensprozess, sei es aus Gründen der Verfolgung oder sonst was. Es muss klar sein, dass die Zeit gekommen ist die Kolonialmonster daran zu erinnern, ob es ihnen gefällt oder nicht, dass unserer Frustration und Unterdrückungen mittels der instrumentalisierten nigerianischen politischen Elite, welche ihre koloniale Manipulationen aufrechterhält, unsere Emigration berechtigt.

Einen neuerlichen Bericht über die Auswirkungen von Geldüberweisungen von im Ausland lebenden Afrikanern auf die ökonomische Stabilität ihrer Heimatländer, Nigeria ist ein gutes Beispiel, sollte als positiv für die Migration und die Repatriation eines Bruchteils unseres gestohlenen Reichtums angesehen werden, auch wenn es mit unserem Schweiß und Blut
erwirtschaftet wurde.

Die unabweisliche Verpflichtung, die die westliche Welt akzeptieren muss, ist das Phänomen der Migration, solange unsere Institutionen, vertreten durch die politischen Eliten, weiterhin Teil des angehenden neokolonialistischen Projekts bleiben, bei dem Millionen von Afrikaner
der Zugang zu ihren Ressourcen verweigert wird, welches kriminelles Verhalten begünstigt und zur einzigen Überlebensmöglichkeit wird.

Es muss offensichtlich sein, dass Abschiebung den Zustrom nicht im Entferntesten verhindern kann.

Kehren wir zur Rolle der nigerianischen Botschaft in Berlin zurück. Es gibt andauernd Berichte über gravierende Menschenrechtsverletzungen gegen Nigerianer, besonders bei Zwangsabschiebungen, alle möglichen rassistischen Angriffe der westlichen Gesellschaft, bekannten, wie auch unbekannten Todesfälle. Aber die Botschaft macht keinen Anstand die
Rechte seiner Bürger zu schützen.

Es gibt Fälle von nigerianischen Kindern in deutschen Abschiebegefängnissen, denen ihre Rechte als Kinder vorenthalten werden (3). Kinder, die von der deutschen Polizei in Kollaboration mit dem für Kinderrechte zuständigen Büro traumatisiert werden, wie der neuerlichen Fall der drei nigerianischen Kinder in dem abgelegenen Djungelheim für
Flüchtlinge in Posseck (4) sowie andere Fälle von Kindermisshandlungen seitens der deutschen Gesellschaft zeigen. Dennoch gibt es keine einzige Reaktion der nigerianischen Botschaft diesbezüglich.

Warum sollte unsere Botschaft uns vor dem Westen als Bettler und Saboteure darstellen, anstatt die Notwendigkeit unsere zerstörten Kultur und ruinierte Wirtschaft wieder aufzubauen und unsere Rechte wie in der allgemeinen Menschenrechtserklärung festgehalten zu unterstreichen?

Unsere Politiker können nicht von der Ausbildung unseres Humankapitals predigen, während unsere Botschaften die Abschiebung unserer physisch und psychologisch ausgemerzten Bürger gegen ein Kopfgeld von 500 Euros unterstützen, was sie für die Nation langfristig nutzlos macht.

Deswegen rufen wir zur Gründung eines nigerianischen-afrikanischen Forums im In- und Ausland auf, um gegen die Position der nigerianischen Botschaft in Deutschland zu protestieren, fordern eine öffentliche Stellungnahme bezüglich dieser Vorwürfe und eine Präzisierung ihrer Funktionen (5).

Abschiebung ist Menschenrechtsverletzung!

Abschiebung ist Folter und kolonialistische Kollaboration, die wir in der Diaspora für die Menschenwürde aller Afrikaner bekämpfen und gegen die wir protestieren müssen.

Stopp Abschiebung! Stopp die koloniale Kollaboration der Unterdrückung!
Stopp die Ausbeutung!

Wir appellieren an die nigerianisch-afrikanischen Communities in Deutschland für ihre Unterstützung: Gegen das koloniale Erbe der Kollaboration bei Abschiebung; im Protest gegen Rassismus, Unterdrückung und Ausbeutung.

Rex Osa
Refugee News Network
theVoice_bdw@yahoo.de
www.thevoiceforum.org

*
E N G L I S H :
REPORT ON THE CALL FOR COMMUNITY SUPPORT AGAINST THE COLLABORATION OF THE NIGERIAN EMBASSY http://thevoiceforum.org/node/896
"The Another face of Colonialism"..
http://thevoiceforum.org/node/858

D E U T S C H :
Ein anderes Gesicht des Kolonialismus
http://thevoiceforum.org/node/899
Eng/Dt) Call for protest against the deportation interviews in Halberstadt
http://thevoiceforum.org/node/898

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Links:
1.) Nigeria: Country Embassy As a Deportation Agency
http://allafrica.com/stories/200803280394.html

2.) RefugeeNews/RNN - Embassy Hearing on Deportation in Ludwisburg, Baden-Württemberg
http://www.thevoiceforum.org/node/737

PDF:
http://carava.net/wp-content/uploads/2008/04/report-nigeria-hearing-ludwigsburg.pdf

3.) Abschiebehaft am Frankfurter Flughafen
Allein im Niemandsland (ALONE IN NO MAN'S LAND)
Keine Eltern, keine Bekannten, kein Jugendamt - am Frankfurter Flughafen, Gebäude 587, werden sogar unter 14-Jährige kaserniert.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/
politik/aktuell/?em_cnt=1335565

4.) Germany - Brutal police intervention against refugee children from Nigeria in Treuen
http://thevoiceforum.org/node/822
5.)PROTEST - POSTCARD TO THE NIGERIAN EMBASSY
Protestpostkarten gegen Botschaft von Nigeria: Abschiebeanhörungen stoppen!
http://carava.net/2008/05/16/protestpostkarten-
gegen-botschaft-von-nigeria-abschiebeanhoerungen-stoppen/