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DAS ZIEL - FLÜCHTLINGSLAGER BREITENWORBIS: Eine Delegation von The VOICE AktivistInnen besuchte das Isolationslager am 04.06.11

Foto: Breitenworbis Flüchtlingslager
Online Reports and Videos on the protests events:
Break Isolation! Alle Flüchtlingslager schließen – Residenzpflicht abschaffen
http://thevoiceforum.org/node/2294

Wir sprachen auch mit einer irakischen Familie, die nur seit mehr als einem Jahr im Lager in Breitenworbis lebt. Der Vater erzählte: "Nach der Zeit, die wir hier verbracht haben, muss ich Medikamente nehmen, die mich über längere Zeit durchschlafen lassen und mich beruhigen. Ich habe das Gefühl, dass ich in diesem Lager verrückt werde!"

Erobert eure Agenda zurück - Durchbrecht rassistische Isolation:

DAS ZIEL - FLÜCHTLINGSLAGER BREITENWORBIS
Breitenworbis ist ein kleines Dorf im Norden Thüringens. Hier wurde uns die schmerzvolle Geschichte einer Gruppe Flüchtlinge erzählt. Ihr tägliches Leben steht unter dem Motto ISOLATION, einschließlich allem, was dieses Wort bedeuten kann.

Breitenworbis ist ein 3500 EinwohnerInnen zählender Ort. Das Flüchtlingsheim mit ungefähr 1000 Bewohnern liegt weit entfernt. Bis zum einzig "nahen" Dorf Worbis sind es 6 km, bis nach Leinefelde sogar 10 km. Dorthin müssen die Bewohner jedes Mal, wenn sie reisen wollen, da sich dort der einzige Bahnhof in der Umgebung befindet. Am Wochenende fahren überhaupt keine Busse. Gerade dann aber wollen viele Flüchtlinge ihre Freunde oder Familien besuchen, weil die Zugtickets an Wochenenden billiger sind. So sind sie darauf angewiesen ein Taxi zu nehmen und 15¤ für eine Strecke zu bezahlen - in der Nacht ist der Preis sogar noch höher.

Das Lager ist gerade darauf angelegt, die Flüchtlinge vom Rest der Welt zu isolieren. Bei dieser Mission ist das Landratsamt auch durchaus erfolgreich. Beweis für diese Einstellung ist schon, dass es am Eingang des "Heims" nicht einmal Wachmänner gibt. Das Landratsamt weiß schließlich selbst genau, dass dieser Ort keinerlei Wert hat. Niemand würde hierher kommen wollen, nicht einmal, wenn man ihn/sie dafür bezahlen würde.

Die Besucher bemerken zuerst den entsetzlichen Geruch rund um das "Heim". Auf die Frage nach der Quelle des Gestanks antworten einige Flüchtlinge: "Die Tiere sind unsere einzigen Nachbarn. Welchen Geruch erwartet ihr, wenn man in solcher Nachbarschaft lebt?!"
Die Schweine- und Rindermastanlagen befinden sich nur 20 m vom Eingang des Heims entfernt. Andere Bewohner stellen frustriert fest:
" Sie behandeln uns wie Tiere, die Deutschen hier sind sehr schlimm!" Die Flüchtlinge erzählten uns, dass der schreckliche Gestank rund um die Uhr zugegen ist. An manchen Tagen wird er sogar so stark, dass es für die Menschen praktisch unmöglich ist, sich überhaupt draußen aufzuhalten.

Einige Flüchtlinge waren sehr froh, uns zu sehen, und beeilten sich um uns in das Lager zu führen und uns ihr Leben darin zu zeigen. Andere aber blickten hoffnungslos und erklärten, dass sie in der Vergangenheit schon versucht hatten, Widerstand zu leisten, doch nichts habe sich geändert. Sie berichteten, dass sie viele Male Besuch von verschiedenen Organisationen erhalten hatten. Aber bereits nach dem ersten oder zweiten Besuch kamen diese nicht mehr wieder.

Der älteste Flüchtling in diesem "Heim" ist ein afrikanischer Mann, der bereits 13 Jahre hier verbracht hat. Ich versuchte, ihm einige Fragen zu stellen, aber er reagierte zunächst überhaupt nicht. Zuletzt sagte er nur leise: "Bitte..lass mich in Ruhe." Seine Antwort überraschte mich nicht besonders. Für jemanden, der seit so vielen Jahren unter diesen harten Bedingungen leben muss, schien sie nur natürlich.

Wir sprachen auch mit einer irakischen Familie, die nur seit mehr als einem Jahr im Lager in Breitenworbis lebt. Der Vater erzählte: "Nach der Zeit, die wir hier verbracht haben, muss ich Medikamente nehmen, die mich über längere Zeit durchschlafen lassen und mich beruhigen. Ich habe das Gefühl, dass ich in diesem Lager verrückt werde!"

Schon von außen sieht das Lager sehr alt aus. Alle beanstanden die sanitären Anlagen. Ein Flüchtling berichtet, dass es für 19 bewohnte Zimmer auf einem Flur nur 3 Toiletten gibt.
Es ist unmöglich, ein benachbartes Wohnhaus rund um das Lager auszumachen, auch wenn man es noch so sehr versucht.

Die Bewohner beklagen sich zudem über die Menschen im nächsten Dorf. Sie sagen: "Sie behandeln uns wie Tiere. Sie haben keinen Respekt für uns. Die meisten von ihnen sind Rassisten und so verhalten sie sich auch."

Die Flüchtlinge freuten sich über die Ankündigung, dass wir zurück kommen werden. Sie alle hießen uns willkommen und versicherten, dass sie auf uns warten würden.

Report von Miloud L Chérif
zum Besuch des Lagers in Breitenworbis am 04.06.2011 mit einer Delegation der The VOICE AktivistInnen

English Text:
THE DESTINATION OF BREITENWORBIS REFUGEES' ISOLATION LAGER-CAMP
http://thevoiceforum.org/node/2141