Prozesserklärung von Mbolo Yufanyi vorgetragen vor dem Amtsgericht Dessau an den zuständigen Richter Jürgen Zahn und die berücht

Foto: Thomas Kriska
UHURU: Vielen Dank an alle diejenigen, die gestern mit uns im Amtsgericht Dessau gewesen waren. Dank an diejenigen, die den Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit für unseren Bruder Oury Jalloh bislang unterstützt haben und weiter unterstützen werden.Wie ich schon zu Bruder Mouctar immer gesagt habe: "Wenn es um Oury Jalloh geht, haben wir schon gewonnen. Wir demonstrieren nur, wie stark wir sind.

Nach einer Erklärung meines Rechtsanwaltes zu den rechtlich illegalen Gewalthandlungen der Polizei am 7. Januar 2012 und meiner resilienten Rede zu Protokoll des Gerichtes (s. Anhang), wurde die Verhandlung auf Antrag meines Anwaltes wegen fehlender Unterlagen und Videos in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft auf unbestimmte Zeit verschoben.Es wird also am 6. Mai keinen weiteren Verhandlungstermin mehr geben.

Der genaue spätere Termin der Neueröffnung des Verfahrens wird bekannt gegeben werden, sobald wir eine erneute Ladung erhalten.

OURY JALLOH - DAS WAR MORD!

Touch one touch all.
UHURU

Prozesserklärung von Mbolo Yufanyi vorgetragen vor dem Amtsgericht Dessau an den zuständigen Richter Jürgen Zahn und die berüchtigte Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau

Zu Protokoll des Amtsgerichtes Dessau-Roßlau am 29.04.2014.

Ich kämpfe bereits seit Januar 2005 für die Wahrheit im Mordfall Oury Jalloh. Obwohl ich Oury nie persönlich kennengelernt habe, war ich im Moment des Bekanntwerdens der Umstände seiner Festnahme und seines später gewaltsam brutalen Todes von Anfang an überzeugt, dass Polizeibeamte ihn ermordet haben mussten. Und das nicht zuletzt deswegen, weil Schwarze Menschen in Deutschland noch heute und immer wieder unter genau derselben inhumanen Behandlungen leiden müssen, wie sie Oury vor und durch seinen Feuertod in den Händen der Polizei hatte erleiden müssen.

Dieser Prozess ist ein politischer Prozess! Die Beschuldigungen, die hier von Polizeizeugen vorgebracht werden, sollen lediglich der Einschüchterung der Angeklagten sowie der Kriminalisierung der AktivistInnen in Gedenken an Oury Jalloh dienen. Sie sind Teil der umfangreichen Repressionsmaßnahmen, die gegen Mitglieder und Unterstützer_innen der Initiative in Sachsen-Anhalt und dem gesamten Bundesgebiet über Jahre hinweg betrieben wurden und immer wieder werden.

Dieses Verfahren, wie es hier heute erneut geführt werden wird, ist gemessen daran, dass es hier im eigentlichen Sinne um die Ermordung eines Menschen durch die Polizei geht, völlig absurd. Hierzu kommt noch, dass sämtliche rechtwidrig angeordneten Gewalttätigkeiten von Polizeibeamten gegen Teilnehmer der Erinnerungsdemonstration an den wider besseren Wissens bis heute aktiv vertuschten Polizeimord an Oury Jalloh von jeglicher Strafverfolgung ausgenommen bleiben sollen.

Im Dessauer Polizeirevier in der Wolfgangstrasse 25 kamen mindestens 3 Menschen auf bislang
ungeklärte Weise ums Leben:

1997 starb Hans-Jürgen Rose an schwersten innerlichen Verletzungen, nachdem er nachts von
Polizisten ins Revier verbracht worden war. Alle Indizien sprechen dafür, dass Polizisten ihn dort an
eine Säule gekettet und mit Schlagstöcken und Tritten so krass traktiert haben, dass Hans-Jürgen Rose
am Morgen verstarb.

Im Jahr 2002 wurde auch Mario Bichtemann umgebracht. Er lag tot mit einem Schädelbasisbruch in der bekannte Zelle 5, nachdem er dort 12 Stunden eingeschlossen war. Wie es zu dieser Verletzung und den
Hämatomen an Händen und Rippen kommen konnte ist unklar geblieben.

Oury Jalloh verbrannte am 7.Januar2005 an Händen und Füßen gefesselt, auf einer schwer entflammbaren Matratze fixiert, ebenfalls in der Zelle 5 des Dessauer Polizeireviers.

Alle Todesfälle wurden bis heute nicht aufgeklärt.

Oury Jallohs Tod ist nicht nur grausam und schmerzlich, sondern vor allem nur Einer von Vielen … straffreie Tötungen von Menschen durch beamtete „Diener_Innen“ des (Rechts-)Staates – insbesondere solcher Menschen, die vor dem Tod aus ihrer „Heimat“ geflüchtet sind – sind kontinuierliche Gewaltroutine einer chauvinistischen Überlegenheitsmentalität, an der offensichtlich weder eine Verfassung noch eine parlamentarische Stellvertreterdemokratie etwas zu ändern vermag. Dabei sind die Unterschiede zwischen aktiver Gewalt durch Polizei und anderweitig Gewaltbereite oder aktiver Verweigerungshaltung von rassistischen Amtsschimmel_Innen mit Selbstmordfolge nur randständig und quantitativ.

Als Reaktion auf den Tod unseres Bruders Oury Jalloh formierte sich eine breite Initiative für Aufklärung, Gerechtigkeit und Ausgleich, die gegen den permanenten Widerstand des deutschen Rechtsstaatsprinzips den Leitspruch „OURY JALLOH - DAS WAR MORD“ etablierte, überhaupt eine gerichtliche Bewertung erzwang und mit bisher 2 Gutachten selbst die wesentlichsten Fakten zum Fall recherchiert hat – zuletzt mit Erstellung eines ergebnisoffenen Brandgutachtens, das als Ergebnis den Nachweis der zwingenden Verwendung eines Brandbeschleunigers begründet.

Immer wieder wurden und werden Aktivisten der Initiative juristisch-repressiv kriminalisiert und/oder sogar in Tateinheit durch exekutive Gewalttäter tatsächlich verletzt.
Der (Rechts-)Staat aktiviert alle Repressions- und Desinformationsregister, um den Kampf der Initiative für Wahrheit und Gerechtigkeit zu de-legitimieren – und letztlich, um eine öffentliche Debatte über manifeste Missstände zu verhindern.

Die zahlreichen Beweise, die im Fall Oury Jalloh ans Licht gekommen sind, sprechen eindeutig dafür, dass Polizisten aus Sachsen-Anhalt Oury Jalloh aus rassistisch Gründen ermordet haben.

Die Dessauer Staatsanwaltschaft, vertreten durch Christian Preissner leidet unter Realitätsverlust, wenn sie Gegenteiliges behauptet.

Von Anfang an diktierte das Innenministerium von Sachsen-Anhalt die Untersuchungsausrichtung und
koordinierte die Ermittlungen im Fall Oury Jalloh. Der Landeskriminalpolizei wurde die Tatort- und
Spurensicherung übertragen. Dies hatte zur Folge, dass

- am Tatort nicht nach Spuren von Brandbeschleunigern gesucht und kein Gaschromatograph eingesetzt wurde.
- kein Brandsachverständiger an den Tatort gerufen wurde.
- nur einige Proben vom Brandschutt gesichert und erst Tage später im Labor untersucht wurden,

der Rest wurde zusammengefegt und weggeschmissen.

Das LKA verwischte die Spuren und sicherte den Tatort dahingehend, dass die Interessen der Polizeiführung und der Landespolitik bzw. Landespolitiker Sachsen – Anhalts gewahrt blieben.

Auch hatten die Mitarbeiter des LKA ihre Version des Tathergangs bereits vor dem Eintreffen in Dessau festgelegt:

“Wir begeben uns jetzt in den Gewahrsamstrakt wo sich der Schwarzafrikaner selbst angezündet hat.”

So dokumentierte der eingesetzte Videograph des LKA seinen Gang in den Keller des Polizeireviers am Nachmittag des 7.Januars 2005. Kurze Zeit später bricht die Videdokumentation ab. Gelöscht. Vernichtung von Beweismitteln durch das Landeskriminalamt.

Oury Jalloh wurde nicht nur von einzelnen Polizisten umgebracht. Das kollektive Verschweigen und die Vertuschung der Wahrheit macht auch all diejenigen zu Mördern, die das Brandbescleunigungsmittel nicht eigenhändig über Oury Jalloh verschüttet haben.

Ein Mörder ist bei diesem brutalen Verbrechen meiner Meinung nach auch der, der wissentlich nicht die Wahrheit sagt oder verschweigt und die Aufklärung dieser Tat verhindert. Es kann also von vorn herein nicht ausgeschlossen werden, dass egal welcher Polizist auch immer mit “Mörder” angesprochen wird, dass dieser Polizist auch tatsächlich der Mörder ist. Für mich persönlich geht diese Verfahren um ein Polizei Mord der Vertuscht wird der Komplot von Justiz und Exekutiv um der Wahrheit zu Vertuschen. Einige Polizeibeamten werden als Zeugen eingalenden um gegen mich auszusagen.

De facto kommt jeder Polizist in Sachsen-Anhalt als potentieller Täter in Frage. Wie können ihre Aussage als Glaubwürdig bewertet.

Dabei steht es außer Frage, dass die Mörder von Oury Jalloh längst gefunden worden wären, wenn es umfangreiche und vor allem uneingeschränkte Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft
gegeben hätte.

Dass der Polizeiapparat in dieser Hinsicht auf ganzer Linie versagt hat ist sowohl der Polizeiführung als auch jedem einzelnen Beamten vorzuwerfen, der sich an der Vertuschung des Mordes an Oury Jalloh allein durch die Akzeptanz dieser Situation beteiligt.

Der andauernde Protest von AktivistInnen und der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ist allein als Reaktion auf ein nicht hinzunehmendes rassistisches Verbrechen, auf ein andauerndes Fehlverhalten der Polizei in Sachsen-Anhalt, zurückzuführen. Das ich nach mehrere Versuche, heute, auf der Anklage Banc sitze, zeigt wie blamierend dieses Gericht und der Staatsanwaltschaft sind.

Unzählige Polizeibeamte in Sachsen – Anhalt haben uns immer wieder auf brutalste Weise gezeigt, mit
welchen Methoden sie gegen uns vorgehen:

Abschiebungen, Razzien, gezielte Zerstörung von Existenzgrundlagen, Kriminalisierung durch Behauptung falscher Tatsachen...

Nicht zuletzt wurden wir am 7. Januar 2012 in der Dessauer Bahnhofshalle von der Landespolizei Sachsen-Anhalt brutal angegriffen und zwei Mitglieder der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh wurden rücksichtslos bewußtlos geschlagen. Ich wurde mehrmals geschlagen, zum wiederholten Mal am Auge. Das Vorgehen der Einsatzleitung und die Umsetzung durch die anwesende Landespolizei werten wir als einen Angriff auf unser Leben. Ich selbst musste Mouctar Bah zum Krankenhaus nach seiner Bewusstlosigkeit begleiten wo ich auch behandelt wurde.

Sämtliche Strafanzeigen, die ich gegen die brutalen und rechtswidrigen Angriffe der Polizei gestellt hat, wurden zurückgewiesen, obwohl aus verschiedenen Videodokumentationen heraus offensichtlich war, dass die Polizeibeamten auf Demonstrationsteilnehmer eingeschlagen haben. Auf einem von der Polizei selbst erstellten Video ist zudem eindeutig zu erkennen, wie ich von einem Polizisten auf das Auge geschlagen wurde.

Und: Dieser Angriff entbehrte nachweislich jeglicher rechtlicher Grundlage. Wer sind hier die Verbrecher?

Wir werden in diesem Gerichtsgebäude bei den Einlasskontrollen wie Schwerkriminelle behandelt, obwohl nachweislich nie Gewalt von uns ausging! Wir haben niemanden umgebracht!

Es reicht nicht, dass hier in Sachsen – Anhalt Polizeibeamte unbestraft Menschen in Polizeigewahrsam foltern und töten können. Diejenigen, die sich dagegenstellen werden gedemütigt, abgeschoben, verleumdet, körperlich angegriffen und jahrelang schikaniert.

Wie kann es sein, dass gegen diejenigen Strafanzeigen konstruiert werden, die sich für die Aufklärung eines Mordfalles einsetzen während die Mörder frei herumlaufen – in einer Polzeiuniform! Wenn die Aufklärung über eine Straftat selbst wie eine Straftat verfolgt wird, dann werden wir von Kriminellen regiert.

Ich frage nochmal: Wer sind hier die Verbrecher? Ich möchte hier noch auf eine lange Liste von Polizeiskandalen in den letzten Jahren hinweisen:

- die Glombiza – Affäre
- die illegale Datenspeicherung persönlicher e-Mails durch die damalige Polizeipräsidentin von Dessau Brigitte Scherber-Schmidt (heute im Innenministerium tätig)
- die Fälschung von Statistiken zur Minimierung der Zahl rechter Gewalttaten durch das LKA
- die Verstrickungen der Polizei in die organsierte rechte Szene
- sowie Korruptionsskandale

Diese Beispiele zeugen davon, dass in führenden Polizeikreisen eine erschreckend hohe kriminelle Energie herrscht.

Sachsen – Anhalt weist die höchste Quote rechter Gewalttaten auf. Alle 2 bis 3 Tage wird ein Mensch in diesem Bundesland Opfer rechter Gewalt. Die Polizei schaut nicht nur weg, sie verharmlost die Situation auch in den Medien.

Dieser Polizeiapparat schadet seinem Ansehen selbst, wenn es nicht die Täter verfolgt, sondern über
dieses grausame Verbrechen auch noch rassistische Witze macht. So fielen auf einem Führungstreffen
in Halle die Worte zum Thema Oury Jalloh die Worte “Schwarze brennen nunmal länger.”.

Was sollen wir von dieser Polizei halten? Ich kann Mensch ihre Aussage glauben?

In den letzten Jahren haben wir verstanden, was polizeilicher Korpsgeist bedeutet. Dies alles kann nur geschehen, weil sich diese Beamten in ihrem Handeln sicher fühlen. Sie werden geschützt durch ihre
Kollegen, ihr Vorgesetzten und durch die Justiz.

Ich möchte nun auf die Rolle der Justiz in Sachsen-Anhalt zu sprechen kommen. Dazu zitiere ich Richter Manfred Steinhoff nach der mündlichen Urteilsverkündung im Oury Jalloh Prozess in Dessau:

„Das was hier geboten wurde, war kein Rechtsstaat und Polizeibeamte, die in besonderem Maße dem Rechtsstaat verpflichtet waren, haben eine Aufklärung verunmöglicht. All diese Beamten, die uns hier belogen haben sind einzelne Beamte, die als Polizisten in diesem Land nichts zu suchen haben.”

Ein Richter in Sachsen-Anhalt scheint hier am Ende seiner Kräfte gewesen zu sein und er räumt ein, was eigentlich nicht offen ausgesprochen werden durfte: dass Polizeibeamte kollektiv lügen. In seinem schriftlichen Urteil ist davon allerdings nichts mehr zu lesen.

Eine Aufklärung der Todesumstände von Oury Jalloh wurde sowohl vom Dessauer als auch vom Magdeburger Landgericht in insgesamt 4 Prozessjahren konsequent verweigert. Somit haben auch die zuständigen Kammern Augen und Ohren verschlossen und sich kaltblütig hinter einem verbrecherischen Polizeiapparat gestellt.

Weil beide Gerichte die Durchführung von Brandversuchen mit und ohne Brandbeschleunigern verweigert haben, konnte bisher weder die genaue Todesursache von Oury Jalloh noch der genaue Brandverlauf rekonstruiert werden. Das ist unfassbar!

Während die Aktivisten für Gerechtigkeit die absurde Hypothese, Oury Jalloh habe sich selbst mit einem Feuerzeug angezündet, nachhaltig widerlegt haben, haben Staatsanwaltschaft und Gerichte im mittlerweile 10. laufenden Jahr des bestialischen Mordes an Oury Jalloh noch immer kein Interesse daran, die wirklich Schuldigen in den Reihen der deutschen Polizei ausfindig zu machen. Stattdessen bemühen sie sich aber umso intensiver darum jene zu verfolgen, die sich dafür einsetzen, dass die Gerechtigkeit am Ende siegen wird.

Was ist los mit der Justiz in Sachsen - Anhalt? Treffen Richter ihre Entscheidungen tatsächlich unabhängig? Aus meinen langjährigen Erfahrung heraus, muss ich diese Frage absolut verneinen.

Ich stelle deshalb auch die Objektivität dieses Gerichts in Frage, weil es sich um eine höchst brisante Angelegenheit, um übergeordnete Interessen – nämlich um den Mord an Oury Jalloh - handelt.

Ihr Richter gaukelt uns Rechtstaatlichkeit vor. Das was wir seit 10 Jahren in Sachsen-Anhalt erleben müssten war politisch betrachtet unerträglich rechts, hatte aber mit Wahrheitsfindung und Gerechtigkeit gar nichts zu tun.

Nicht ich stehe hier allein vor Gericht, sondern alle, die sich lautstark für die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh einsetzen, der im Polizeirevier Dessau umgebracht wurde. Mouctar Bah, eine der Gründer der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, der auch am 10. Dezember 2013 vor dieses Gericht stehen musste ist ein konkretes Beispiel. Wie Lächerlich das am Internationaler Tag der Menschenrechte, einer Menschenrechtler in ein deutsches Gericht angeklagt wurde weil er und seine Mitstreitenden das Deutsche Justiz und Exekutiv Bloß gestellt hat. Es ist zum Schämend.

Die von der Polizei gestellten Anzeigen sollen der Einschüchterung und der Kriminalisierung der Angeklagten dienen. Sie sollen helfen, die AktivistInnen und der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh mundtot zu machen.

Die Justiz in Sachsen – Anhalt misst mit zweierlei Maß. Milde für die Polizei und Härte gegen die AktivistInnen der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh. Das Ganze ist eine Show - so wie diese Gerichtsverhandlung hier eine Show ist. Wir sind die bösen und die Polizisten die armen Unschuldslämmer.

Ich gehe davon aus, dass auch Ihr Urteil längst geschrieben ist und lehne es ab, mich von ihnen oder einem anderen Gericht in Sachsen – Anhalt richten zu lassen. Ich hätte hier einen Befangenheitsantrag gegen Sie gestellt aber wer von ihre Reihe ist nicht Befangen? Diese Verhandlung ist eine politische Ereignis der kriminalisierenden Verfolgung durch deutsche Gerichte. Ich werde ihre Gerichte nutzen um sie bloß zu stellen und ihre Legitimität und Kompetenz in frage Stellen.

Die Wahrheit interessiert in diesem Gerichtssaal doch gar nicht. Hier geht es nur darum, dass sie in Ihrer Funktion als Richter die Täter einmal mehr zu Opfern verklären werden. Und genau auf diese Weise trägt hier die Justiz aktiv dazu bei, einen rassistischen Mord zu legitimieren.

Ich frage mich, wie sie und die anderen Justizangestellten, die mit diesem Prozess zu tun haben, dabei in den Spiegel gucken können.

Ich frage Sie, wie man mit diesen ganzen Lügen leben kann? Wie können Sie als Richter oder auch nach Feierabend wegschauen, wenn Menschen angekettet in Polizeizellen verbrennen. Wie können sie zu einem offensichtlichen Mord schweigen und mich verurteilen, weil ich mich eingemischt habe während ihre Beamten rechtswidrig Gewaltfreie DemonstrantInnen Krankenhausreif und Bewusstlos Verprügelt haben soll?

Ist es nicht viel schlimmer, dass hier die ganze Polizeiführung einen Mord vertuscht und fast alle Polizeizeugen zu diesen unglaublich Vorfällen nichts zu sagen haben? Die kleinen Beamten folgen nur ihren Befehlen und wer sich traut den Mund aufzumachen, dem wird der berufliche Werdegang zur Hölle gemacht.

Dieses mörderische System hier kann nur solange funktionieren, solange ein Rädchen ins andere greift. Sie, als Richter sind eines dieser Rädchen. Sie machen mit.

Jeder Mitarbeiter in diesem Gerichtsgebäude weiß um die hohe politische Brisanz des Mordes an Oury Jalloh. Vielleicht bezweifeln sie sogar auch, dass Oury Jalloh sich selbst angezündet hat, vielleicht wissen sie sogar mit Sicherheit, dass es Mord war – aber ihre berufliche Stellung wird sie zwingen ein Urteil zu sprechen, dass sich an den politischen Interessen Sachsen – Anhalts orientiert.

Ein Mensch wurde ermordet und Sie werden diejenigen veruteilen, die danach fragen, wer der Mörder ist.

Es geht in diesem Verfahren nicht um eine tatsächlich begangenen Straftat durch die Angeklagte, sondern um die gezielte Verfolgung von AktivistInnen und Mitgliedern der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh durch
den Staatsschutz Magdeburg.

Wir sehen diesen Prozess als ein vorgeschobenes Ereignis, als einen verzweifelten Versuch in der Absicht uns einzuschüchtern und zu kriminalisieren, um unsere Glaubhaftigkeit nachhaltig zu schädigen.

Der Mord an Oury Jalloh ist ein pervertiertes Verbrechen, beruhend auf einem rassistischen Denk- und
Handlungsweisen von Polizeibeamten in Sachsen-Anhalt.
A Black civil rights activist one said, " Wir sollten nie vergessen, dass alles, was Adolf Hitler in Deutschland tat, war "legal"

Diese neue Stufe der Aggression und Repression gegen Menschen, die eine Aufklärung der Umstände um den Tod von Oury Jalloh fordern, bestärkt uns, diesen Protest weiterhin zu führen. Dabei geht es nicht allein um den Sieg durch eine gerechte Verurteilung und Anerkennung dieses Mordes, sondern auch darum, die Ungerechtigkeit in den Institutionen wie die der Polizei, Staatsanwaltshaft und Gerichte zu entlarven. Wir fordern das Ende polizeilicher Willkür in Dessau, Sachsen – Anhalts und in ganz Deutschand! Dessau ist nur der Spitz des Eisbergs. Die Koalition des Schweigens und der Vertuschung muss gebrochen werden.

Zu dem Vorfall selbst von 07.01.2014, möchte ich vorweg ein teil des Berichts von der Mitteldeutsche Zeitung vom 17.05.2012 zitieren"
"Der Polizeipräsident von Dessau-Roßlau, Kurt Schnieber, wechselt in das Innenministerium Sachen-Anhalts. Er war bislang kommissarisch als Polizeipräsident eingesetzt und habe seine Bewerbung aus persönlichen Gründen zurückgezogen, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Magdeburg mit. Die Amtsgeschäfte als Polizeipräsident übernehme ab sofort kommissarisch Werner Rentsch, der bisher Vizepräsident in der Behörde in Dessau-Roßlau war.

Schnieber war Anfang des Jahres nach einer Demonstration zum Gedenken an den 2005 im Dessauer Polizeigewahrsam gestorbenen Oury Jalloh in die Schlagzeilen gekommen. Der Polizeipräsident hatte im Gegensatz zu seinen Vorgängern einen auf Transparenten immer wieder verwendeten Spruch „Oury Jalloh, das war Mord“ als Straftat gewertet.
Bei heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gab es daraufhin mindestens zwei verletzte Demonstranten. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) teilte zwei Tage nach den Ereignissen mit, er teile die Rechtsauffassung Schniebers nicht. Gleichzeitig löste der Minister den Leiter des Dezernates Recht der Polizeidirektion Ost, Georg Findeisen, von seinem Posten ab und versetzte ihn. Der Jurist, so Stahlknecht, habe den Polizeipräsidenten nicht professionell beraten. Diese Entscheidung verwunderte damals viele, da Findeisen im Polizeiapparat einen sehr guten Ruf hat. Das Wort vom Bauernopfer machte die Runde. "

Die Frage hier ist: Wieso sitzen nicht die damalige Polizeipräsident von Dessau-Roßlau, Kurt Schnieber und seiner damalige Leiter des Dezernates Recht der Polizeidirektion Ost, Georg Findeisen auf die Anklagebank?

Alles andere entnehmen sie meinem Gedächtnisprotokoll.

Fast zehn Jahre nach Oury Jallohs barbarischem Tod in der Zelle Nr. 5 im Polizeirevier in Dessau ist immer noch keine Gerechtigkeit in Sicht. Wir sagen weiterhin: Oury Jalloh – Das war Mord!

Wir setzen uns weiterhin für Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung ein und für eine Änderung der Anklageschrift auf Mord.

Brecht das Schweigen! Wir lassen Niemanden sprachlos zur Schlachtbank führen!

If you touch one of us, you touch all and everyone!

UHURU, UHURU, UHURU und das heißt, FREIHEIT FREIHEIT FREIHEIT.

Mbolo Yufanyi.

Solidarität mit Mbolo Yufanyi und dem Kampf gegen rassistische Polizeigewalt http://thevoiceforum.org/node/3572

Jw press: Opfer oder Täter?
Über zwei Jahre nach Polizeieinsatz auf Oury-Jalloh-Gedenkdemo steht ein weiterer Aktivist vor Gericht
29.04.2014 / Inland / Seite 4Inhalt
http://www.jungewelt.de/2014/04-29/020.php
http://thevoiceforum.org/node/3580

Prozesserklärung von Mbolo Yufanyi vorgetragen vor dem Amtsgericht Dessau an den zuständigen Richter Jürgen Zahn und die berücht