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Dt&Eng) Dessau Presse & Regina Kiwanuka Reports: Protest Oury Jalloh - Police Murder // Fordern die Aufklärung des Jalloh-Todes

French:
*EN MEMOIRE D´OURY JALLOH: Rapport de Regina Kiwanuka au sujet de la manifestation de Dessau. Part 1 &11
http://thevoiceforum.org/node/530
- REMEMBERANCE FOR OURY JALLOH: Regina Kiwanuka Report On Dessau Demonstration - 23.06.2007 Part 1 and 2
http://thevoiceforum.org/node/524

Foto and Video: http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/230607oury_jalloh.html
- zusammenfassung letzte prozesstage, July 2, 2007 6:00 pm
23.03.2007 -Protest Oury Jalloh "Police Murder " // Fordern die Aufklärung des Jalloh-Todes...
-Zum Gedenken an Oury Jalloh(ND).Montag, 2. Juli 2007
- Dessau/MZ)Demonstranten fordern die Aufklärung des Jalloh-Todes 28.06.2007
- Prozess um Feuertod von Oury Jalloh: Brandschutz-M ängel im Polizeirevier Dessau 26.06.07
- epd press)JALLOH-PROZESS VERZÖGERT 25.06.2007
- Dessau/dpa)Demo für verbrannten Asylbewerber 23.06.07, 16:36h

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Zum Gedenken an Oury Jalloh 2. Juli 2007

(ND). Am morgigen Samstag wollen antirassistische Gruppen und Organisationen aus der afrikanischen Community in Dessau an den in einer Polizeizelle verbrannten Flüchtling Oury Jalloh erinnern. Die Demonstration soll um 14 Uhr am Bahnhof beginnen und durch die Dessauer Innenstadt führen. Anlass für die Aktion sei eine »besorgniserregende Entwicklung des Prozesses« um den Tod Jallohs. Außerdem hätten sich zuletzt wieder Angriffe auf Aktivisten der Gedenkinitiative gehäuft. Das Thema Rassismus werde von der Staatsanwaltschaft und dem Gericht »konsequent umgangen«. Alle Ermittlungen seien allein darauf beschränkt, die These zu beweisen, dass Oury Jalloh sich selbst angezündet hat. Andererseits hätten die Behörden bereits mehrere Ermittlungsverfahren gegen Aktivisten der Gedenk-Initiative angestrengt – unter anderem wegen Beleidigung. Grund dafür sei unter anderem ein Plakat mit der Aufschrift »Oury Jalloh, das war Mord« gewesen.
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Demonstranten fordern die Aufklärung des Jalloh-Todes
VON UNSERER REDAKTEURIN CARLA HANUS
28.06.2007
Press-Dessau/MZ. Es schüttete wie aus Eimern. Doch die Demonstranten, die sich vom Bahnhof aus auf den Weg gemacht hatten, als heftige Gewittergüsse niederprasselten, hielten Wolkenbruch und Donner nicht auf. "Das ist eine Herausforderung", schallte es aus dem Lautsprecherwagen, und dass sie diese annehmen würden. Egal ob Sonne oder Regen, sie würden immer für Oury Jalloh auf die Straße gehen. "Denn das ist einer von uns."

Rund 100 Demonstranten folgten am Sonnabend dem Aufruf der "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" und zogen vom Bahnhof zum Stadtpark zur Stele, die an den von Rechtsextremen ermordeten Mosambikaners Alberto Adriano erinnert, und bis zum Polizeirevier. Immer wieder verdeutlichten sie in lauten Sprechchören ihre Auffassung: "Oury Jalloh - das war Mord".

Sie würden nicht aufhören nach Dessau zu kommen, bis der Fall lückenlos aufgeklärt sei, betonte ein Sprecher zu Beginn der Demonstration und forderte zudem Entschädigung und Gerechtigkeit. Zum Beginn des Prozesses hätten sie gehofft, das was ans Licht kommen würde, "was wir schon lange wissen", sagte er und ging noch einmal auf die Todesumstände ein: Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 an Händen und Füßen gefesselt in einer Zelle im Dessauer Polizeirevier verbrannt. Doch von Verhandlungstag zu Verhandlungstag seien sie wütender geworden, weil die Aussagen immer verwirrender und weil Polizisten vor der Staatsanwaltschaft lügen würden.
Deshalb wollen sie weiter machen, betonte der Redner, "bis die Vertuschungen aufgedeckt sind." So lange würden sie auch bei ihrer Meinung bleiben, dass Oury Jalloh wegen seiner Hautfarbe verhaftet worden sei, dass sein Tod Mord gewesen sei. Und bis zur endgültigen Aufklärung des Falles wollen sie das auch in aller Öffentlichkeit äußern.

An der Adriano-Gedenk-Stele forderte eine Sprecherin generell die Anerkennung afrikanischer Flüchtlinge. Sie forderte unter anderem das Recht auf Bewegung, auf Arbeit, auf Leben für die Menschen ein, die ihre Heimat verlassen mussten und nun in Deutschland Schutz suchen. Allerdings verwahrte sie sich dagegen, dass beispielsweise auf dem G8-Gipfel für die afrikanischen Völker gesprochen werde. Sie könnten ihre Stimme selbst erheben, wollten aber gehört werden, unterstrich sie.

Die Rechte von Afrikanern in Deutschland spielten auch in den Redebeiträgen vor dem Polizeirevier eine Rolle. Auf die Kolonialzeit wurde eingegangen, auf die Sklaverei wurde hingewiesen, auf die Ermordung von Menschen aus rassistischen Gründen. Die Liste mit den Namen dieser Opfer sei endlos, hieß es. Erinnert wurde am Sonnabend unter anderem an Dominique Kouamadio aus dem Kongo, der im April 2006 in Dortmund erschossen worden ist, an John Achidi aus Nigeria/Kamerun, der 2001 in Hamburg bei einem Brechmitteleinsatz sein Leben verlor und an Osamuyia Aikpitanhi aus Nigeria, der im Juni 2007 bei einem Abschiebeversuch starb, und an Alberto Adriano, den im Juni 2000 rechte Schläger in Dessau zu Tode geprügelt haben.
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25.06.2007

JALLOH-PROZESS VERZÖGERT

Protest in Dessau

Rund 200 Menschen haben in Dessau gegen die Verzögerung im Prozess wegen des Todes des Afrikaners Oury Jalloh in einer Zelle protestiert. Der Fortlauf der Verhandlung, die erst zwei Jahre nach dem Tod Jallohs eröffnet wurde, bestätige die Sorge wegen einer Verschleppung. Ein Urteil ist nicht vor Oktober zu erwarten. (epd)

http://www.taz.de/index.php?id=archiv&dig=2007/06/25/a0090
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Prozess um Feuertod von Oury Jalloh
Brandschutz-M ängel im Polizeirevier Dessau
Von Winfried Borchert

26. Juni 2007
www.volksstimme.de

Dessau. Mit der Aussage des Dessauer Polizeirevierleiters Gerald K. ( 52 ) wurde gestern der Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh vor dem Landgericht Dessau fortgesetzt. Zwei Polizisten sind angeklagt, für den Tod des 21-J ährigen aus Sierra Leone in einer Arrestzelle des Reviers am 7. Januar 2005 verantwortlich zu sein.

In der achtstündigen Vernehmung offenbarte K. Brandschutzmängel im Revier zum Zeitpunkt von Jallohs Tod. So herrschte Unkenntnis, wo sich Feuerlöscher befanden und wo Pläne für Fluchtwege aushingen.

Während des Brandes habe er vergeblich versucht, mit einem Wasserschlauch vom Hof aus in den verqualmten Gewahrsamskeller vorzudringen, sagte K. gestern. Jalloh lag dort auf einer Matratze gefesselt. Ein früherer Zeuge hatte berichtet, der Revierchef habe " in völliger Panik " an einem verknoteten Wasserschlauch gezerrt, ohne auf Ratschläge zu reagieren.

Nach Jallohs Tod gab der Revierleiter mehrere Hausmitteilungen heraus, in denen unter anderem der Verlauf der Ereignisse minutiös geschildert wird. Der Chef stützte sich dabei vor allem auf die Angaben des Angeklagten Andreas S. Die Aussagen der Einsatzleiterin Beate H ., wonach S. als Dienstgruppenleiter mehrfach den Feueralarm aus Jallohs Zelle weggedrückt und den Lautsprecher leise gestellt habe, erwähnte der Revierleiter dabei nicht. Die Einsatzleiterin wurde später gegen ihren Willen versetzt. Der Revierchef begründete dies gestern mit " Fürsorge " gegenüber der Beamtin.

Einer Antwort auf die Hauptfrage des Prozesses, wie das Feuer in Jallohs Zelle ausbrechen konnte, kam das Gericht in der gestrigen Verhandlung nicht näher. Heute soll der Revierkriminalchef aussagen.
www.volksstimme.de
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Dessau

Demo für verbrannten Asylbewerber

Afrikaner war 2005 an Händen und Füßen gefesselt bei einem Brand gestorben

23.06.07, 16:36h

Demonstration
Zahlreiche Demonstranten protestieren in Dessau im Gedenken an den toten Afrikaner Oury Jalloh. (Foto: dpa)

*Dessau/dpa.* Mit einer Demonstration durch Dessau haben am Samstag rund 50 Menschen des Asylbewerbers Oury Jalloh gedacht. Eine Initiative aus Berlin hatte dazu aufgerufen. Der Afrikaner war am 7. Januar 2005 an Händen und Füßen gefesselt bei einem Brand in einer Gewahrsamszelle des Polizeireviers Dessau gestorben. Seit Ende März müssen sich deshalb zwei Polizisten vor Gericht verantworten. In dem Prozess ist vorerst kein Ende absehbar. Das Landgericht Dessau hat Verhandlungstage bis Oktober anberaumt. Die Initiative forderte mit Nachdruck eine lückenlose Aufklärung des Falls. Nach Angaben der Polizei blieb es bei dem Protest bis zum Nachmittag friedlich.

http://www.mz-web.de/

- REMEMBERANCE FOR OURY JALLOH: Regina Kiwanuka Report On Dessau Demonstration - 23.06.2007 Part 1 and 2
http://thevoiceforum.org/node/524
Foto and Video: http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/230607oury_jalloh.html
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zusammenfassung letzte prozesstage
July 2, 2007 6:00 pm

Die einzige Erzählung, die es in dem Landgericht über das Geschehen am 7.1.05 in der Polizeiwache Dessau gibt, ist die der aussagenden PolizistInnen. Sie können vergessen, Details erinnern, Verläufe erzählen und zusammenkonstruieren, was sie wollen - das ist das Material, das sich zusehends zur einzigen Realität verdichtet. Die beinahe einzige Version ist die des Angeklagten Schubert, auf deren Grundlage alle Berichte gemacht wurden. Mit der Begründung, dass man sich ein anderes Handeln als das, das von ihm behauptet wird, nicht vorstellen kann. Das reicht dem Gericht. So wird Wahrheit gemacht und legitimiert. Der Richter bezeichnet selber die Ermittlungen als schlampig, unternimmt aber keine Schritte, sie zu verbessern. Im Gegenteil, er war es, der schon weit im Vorfeld des Prozesses genauere Ermittlungen abgelehnt hat. Derzeit spielt sich dieselbe Geschichte ab, die normal und bekannt ist, wenn PolizistInnen vor Gericht involviert sind: Es zählt ihre Version, Ende. So wie es auch bei ihnen üblich ist, mit einer Anzeige wegen Widerstand zu reagieren, wenn man auf ihre Angriffe rechtlich reagieren will. Dass diese Version rechtlich anerkannt wird und dem Opfer statt ihnen Schwierigkeiten bringt,
dessen können sie sich sicher sein. So auch hier, nur geht es hier um einen Menschen, der durch die Polizei verbrannt ist. Die PolizistInnen haben probiert, wie weit sie gehen können. Und sie bekommen Recht. Sie müssen nur noch die Aussagen verbessern, die Loyalität ist ihnen von oben bis unten sicher. Der Richter ermahnt den Angeklagten, seine Version von der Zeit nach 12.00 widerspruchsfrei zu korrigieren, und bietet ihm schon
jetzt dafür ein Urteil mit Bewährung an. Offensichtlich hat die mangelhafte Absprache der PolizistInnen ihn dazu gebracht, sich von ihnen als Richter nicht genügend respektiert zu sehen. Wenn sie eine widerspruchsfreie Version zu den Ereignissen nach 12:00 hinbekommen, ist er zufrieden. Mit einer Aufklärung darüber, wie Oury Jalloh ums Leben gekommen ist, hat das wenig zu tun. Offensichtlich ist dessen Leben zu wenig wert dafür, dass diese Frage rechtlich von Interesse wäre.

Dabei war in der gesamten Verhandlungszeit bisher vor allem eines zu erfahren: Wie der Zusammenhalt auf dem Dessauer Polizeirevier funktioniert. Aussagen, die zuerst gemacht wurden, werden nun so verändert, dass sie mit anderen Aussagen zusammengehen könnten. Alle Antworten, die verfänglich sein könnten, werden verschwiegen. Mit Unterstützung durch Gespräche, Versammlungen – zu deren Inhalt sich die ZeugInnen wie schon bei anderen Fragen sehr bedeckt halten, wenn es zu einer „Falschaussage“ kommen könnte – und dem aufmerksamen Lesen des Internets wird die Version zunehmend ausgearbeitet. Widersprüche entstehen trotzdem, wenn eine Zeugin anfangs und ein anderer Zeuge später mehr als
vorgesehen gesagt haben. Und es ist für die meisten BeamtInnen, die nicht gleichermaßen involviert gewesen sind, offenbar nicht so leicht, bei allem guten Willen zur Deckung des Angeklagten alle dafür wichtigen Punkte zusammenzubringen. In dieser Woche war von einer Zeugin aus der Verwaltung wie vom Revierleiter, also dem Vorgegebenen des Angeklagten, zu erfahren, dass sie sich einfach nicht vorstellen können, dass Schubert zweimal den
Alarm ausgedrückt hat. Die Version von Sch., dass er unverzüglich reagiert habe, wird von dem Revierleiter Kohl zur Grundlage aller weiteren Berichte und Mitteilungen an Innenministerium und an das gesamte Revier gemacht, trotz ihm bekannter anderer Aussagen. Es gibt keinen Protest, im Gegenteil, allen Angesprochenen passt diese Version gut ins Konzept.
Konsequenzen hat nur die Zeugin Höpfner zu erfahren, die gegen ihren Willen versetzt wird. Warum soll dieselbe Abwicklung des 7.1.05 nicht genauso für die Behauptung gelten, Oury Jalloh habe sich selbst umgebracht? Das interessiert auch den Richter nicht, dem nur die Widersprüche in der Version zu der Zeit nach 12:00 nicht gefallen. Dass es nur um diese Zeit geht, zeigt, auf welcher Seite er steht. Die PolizistInnen haben es sich offensichtlich zu leicht vorgestellt, was die Befragungen dazu betrifft. Für die Version zu der Frage, wie Oury Jalloh umgebracht worden ist, brauchen sie sich keine Sorgen zu machen. Um die geht es gar nicht. Der Richter will gar nicht wissen, wie das Feuerzeug in
die Zelle gekommen ist, auch wenn diese Woche ein weiteres Mal versichert wurde, dass Oury J. gründlich durchsucht worden ist. Er will auch nicht wissen, wie die feuerfeste Matratze brennen konnte, auch wenn die Reinigungskraft versichert hat, dass diese unbeschädigt war. Auch will er nicht wissen, warum der Alarm alle so spät erreicht haben kann, dass niemand mehr helfen könne, weil der Rauch schon zu stark sei. So wie auch
alle weiteren offenen Fragen dazu, was vor 12.00 passiert ist - also als das Feuer ausgebrochen ist - interessieren ihn nicht, auch wenn schon zur Zeit nach 12:00 sichtbar ist, wie Aussagen erfunden und zusammengefügt werden, wenn auch bisher noch nicht genügend für den Richter. Ein Mensch verbrennt in einer Polizeizelle, warum, das ist bei ihm, dem Menschen aus Sierra Leone, nicht von Belang – wenn die weißen PolizistInnen sagen, das war Selbstmord, dann reicht das, auch wenn sie noch so sehr vorführen, auf
welche Art sie sich gegenseitig decken, einerlei ob unmittelbar oder nicht involviert. Warum soll es nicht Mord gewesen sein? Einfach weil auch der Richter und der Staatsanwalt es ihnen nicht zutrauen mag? So entstehen Wahrheiten und wird Recht gemacht. Und Geschichte(n) wiederholen sich.

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Subject: [wirgedenkenouryjalloh] zusammenfassung letzte prozesstage
From: "Marc"
Date: Mon, July 2, 2007 6:00 pm
To: wirgedenkenouryjalloh@lists.riseup.net
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