Mbolo Yufanyis Gerichtsverhandlung/Court Hearings (Part 8 & 9)

Mbolo Yufanyis Gerichtsverhandlung/Court Hearings (Part 8)

Nächster Prozesstermin in Berlin am Montag: 27.01.2014,
um 15:00 Uhr, Sitzungssaal/Room 572
und (Part 9)

am Donnerstag: 06.02.2014,
um 11:00 Uhr, Sitzungssaal/Room 672

Amtsgericht Tiergarten/Moabit
Turmstraße 91
10559 Berlin
Wir laden auch weiterhin alle Aktivisten und Unterstützer zur fortlaufenden Prozessbeobachtung ein.

Touch one touch all.

Video: Deportation Chain - Resistance against Rascism and colonial injustice

Prozessbericht mit Gedächtnisprotokoll vom 09.01.2014, Amtsgericht Tiergarten, Raum 627

Der Polizeibeamte Krzyslak ist erneut geladen, wird erneut hauptsächlich aussagen, dass er sich nicht erinnert.
Die Richterin Brinkmann harrt die Befragung des Zeugens relativ zurückhalten aus, zwei Justizbeamte „sichern“ jetzt den Saal.
Der Staatsanwalt kommentiert zunächst vornehmlich mit einem Grinsen.
Der Zeuge selbst hat „keine Erinnerung“ an jegliche Mbolo Yufanyi Movuh betreffenden Fakten, „da ich mich um meine Festnahme, um Herrn Sy kümmern musste.“ - also dienstbeflissen nichts anderes mitgekriegt habe. „Das war ja auch nicht meine Aufgabe.“

Befragt wie es denn sein könne, dass er sich in dem Prozess gegen Herrn Sy noch alle Fakten erinnern konnte und auch sehr genau an die Vorgänge bevor Herr Sy und Herr Yufanyi ins Krankengaus gebracht wurden, aber plötzlich, ab dem Betreten des Fahrzeugs zum Krankenhaus nicht mehr und ob er die vorherigen Details nur aus dem Protokoll wiedergegeben habe, ohne eine eigene Erinnerung daran zu haben oder ob er im Gegenzug seine Erinnerung in dem Fahrzeug und danach nicht erzählen wolle?

Hier schaltet sich Staatsanwalt Laub ein und beanstandet, dass dies gar keine Frage sei.

Auf die Frage warum er sich denn an alles zuvor sehr detailliert, aber an nichts mehr ab der Fahrt zum Krankenhaus erinnern könne, nicht einmal an seine eigenen Aussagen oder so etwas ‚Ungewöhnliches‘, wie der Versuch Herrn Yufanyis eine Anzeige erstatten zu wollen, weil er nicht als „Farbiger“ bezeichnet werden wollte, antwortet der Zeuge:

„Entweder weil ich mich einfach nicht erinnern kann oder weil es nicht geschehen ist.“

Am Ende relativiert er alle Aussagen, die er jemals gemacht hat:

„Auf die Strafsache gegen Herrn Sy hatte ich mich gut vorbereitet auf diese andere hier nicht so. - Im Großen und Ganzen war mir das noch bekannt“
(es ging um seine detaillierten Aussagen über die Vorgänge vor der Fahrt zum Krankenhaus)

Anwalt: „Haben Sie das kenntlich gemacht, dass das nicht ihre konkrete eigene Erinnerung ist?“

Krzyslak: „Ich habe ja immer ‚ich glaube‘ gesagt, wenn ich mir nicht sicher war“

Auf die Frage des Anwalts: „Und wenn Herr Lamprecht, (der im selben Fahrzeug gefahren ist) ausgesagt hat er kann sich daran erinnern, (dass Herr Yufanyi Herrn Lamprecht einen Rassisten genannt hat und Anzeige erstatten wollte) dann hat das mit Ihnen nichts zu tun?“

Antwortet der Zeuge, „Nein.“

Damit ist die Befragung beendet.

Ich erinnere mich an die Aussagen des Zeugen Lamprecht, der auf die Frage, was er glaubt warum ihn Mbolo Yufanyi Movuh einen Rassisten genannt hat, antwortete, „Ich weiß nicht, weil ich weiß bin.“ und frage mich nach diesem Prozesstag, ob Polizisten tatsächlich ein spezielles Training absolvieren, das ihre Sinneswahrnehmungen nur auf die Ihnen zugedachten Aufgaben fokussiert und alles andere heraussiebt, auch wenn es innerhalb eines zwei Meter großen Polizeiwagens passiert, Mbolo Yufanyi dort sicher nicht geflüstert hat und ein Kollege, der wohl einen halben Meter entfernt saß, das sehr wohl mitgekommen haben müsste. Ich frage mich, wie es sein kann, dass ein solches Verhalten vor Gericht zugelassen wird und wie es vielleicht wäre, die beiden Zeugen die Situation einmal nachspielen zu lassen, um dieses Phänomen erklärbar zu machen.

Befragung des Zeugen durch den Angeklagten:
Mbolo Yufanyi Movuh: „Haben Sie mitbekommen, was Herr Lambrecht per Funk über mich gesagt hat. - Und dass ich ihn anzeigen wollte? - Dass ich nicht als „Farbiger“ bezeichnet werden wollte? - Erinnern Sie sich, dass ich über Schmerzen geklagt habe? - Ich meine als wir im Rettungswagen fuhren?“

Herr Krzyslak: „Nein - Kann ich mich nicht erinnern. - Nein. Das ist auch nicht so, dass ich das können müsste. Ich war ja mit meiner Festnahme beschäftigt. - Sie waren nicht meine Festnahme, ich habe mich um Herrn Sy gekümmert.“

Mbolo Yufanyi Movuh: „Bin ich gelaufen oder musste ich getragen werden?- Und ob ich gestanden habe als wir (…) oder mich setzen wollte ?- Haben Sie geholfen mich zu tragen auf dem Weg?“

Kryzlak, „Das weiß ich nicht mit Gewissheit.- Ich würde vermuten irgendwann saßen Sie.- Es war aber auch nicht meine Aufgabe, die Feuerwehrleute sind Fachmänner.“

Mbolo Yufanyi Movuh: „Sie haben mich nicht angefasst?

Krzylak: „Nein.“

Mbolo Yufanyi Movuh: „An die Vorgänge im Krankenhaus allgemein, welche Erinnerung haben Sie?“

Krzyslak: „ Da sind sie immer mit Herrn Sy zusammen gewesen. Ich erinnere mich, dass sie beide erst beim Augenarzt waren, bei verschiedenen Ärzten...“

Mbolo Yufanyi Movuh: „Und als die Behandlung fertig war, wurden mir da Handschellen angelegt?“

Krzyslak: „Ich bin der Meinung sie hatten keine Handschellen. - Ich habe Ihnen niemals Handschellen angelegt.“

Mbolo Yufanyi Movuh: „Ich habe Ihnen nicht gesagt, dass die Handschellen zu fest sind?“

Krzyslak: „Kann ich mich so nicht dran erinnern.“

Mbolo Yufanyi Movuh: „ Erinnern Sie sich daran, dass ich im Polizeigebäude gefragt habe, ob ich mich hinsetzen kann? - Sie haben mir nicht gesagt, dass ich mich auf den Tisch setzen kann? - Und auch nicht mitbekommen, dass Herr Lamprecht mir das dann verboten hat? “

Krzyslak: „Nein. Im Polizeigebäude haben wir Sie ja quasi abgegeben. - Das war kein relevanter Vorfall“

Mbolo Yufanyi Movuh: „Dass es mir körperlich schlecht ging, war kein relevanter Vorfall?“

Krzyslak: „Sie machten nicht den Eindruck dem Tode nahe zu sein. Meiner Meinung nach war es eher unglaubwürdig. Sie hatten ja erst das eine, dann das nächste Problem. - Von der Gesamtsituation im Ganzen schienen Sie schon mitgenommen.“

Mbolo Yufanyi Movuh: „Ich meine nicht emotional, ich meine körperlich. - Bin ich ins Polizeigebäude gelaufen oder musste ich getragen werden?„

Krzyslak : „Da schienen Sie so in Ordnung. - Meiner Erinnerung nach sind Sie gelaufen.“

…Ende der Befragung durch den Angeklagten.

Die widersprüchlichen Aussagen des Polizeizeugen Krzyslak blieben seitens der Richterin Brinkmann unkommentiert – der Zeuge blieb unvereidigt.

Staatsanwalt Laub profilierte sich erneut als Anwalt des Zeugen der Anklage, indem er die Fragestellungen der Verteidigung und des Angeklagten wiederholt formal beanstandete. Im Vergleich zur aggressiv-elitären Überheblichkeit bei seinem Einstand in diesem Verfahren (Eklat am 23.12.2013 http://thevoiceforum.org/node/3436) gab er diesmal jedoch einer vorgeschoben bemühten Freundlichkeit den Vorzug und wirkte hierdurch insgesamt auch effektiv weniger unterbindend im Hinblick auf das Fragerecht des Angeklagten und seiner Verteidigung.

Der schale Verdacht, dass Zeugenaussagen der belastenden Polizeibeamten kollektiv und manipulativ abgesprochen sind und der jeweiligen Anklage der Staatsanwaltschaft angepasst erscheinen, hat sich auch mit diesem „Zeugen“ erneut verdichtet.

Die Staatsanwaltschaft erweckt den Eindruck, dass sie gar nicht die eigentliche Herrin des Ermittlungsverfahrens, sondern lediglich ein willfähriges Anklageorgan ist, welches polizeilich zweckinterpretierte (teilweise Falsch-)Aussagen kritiklos und ohne Bemühung um Ermittlung auch entlastender Umstände für den Angeklagten sowie auch ohne Berücksichtigung rechtswidriger Handlungsweisen der beteiligten Polizeibeamten instrumentalisiert.

Weitere Informationen zu Mbolos Fall:
http://thevoiceforum.org/search/node/court%20yufanyi
• Deportation Chain - Police Brutality at N.E: http://www.youtube.com/watch?v=7DUBCWZ4em8
• Gericht Verhandlung/Court Hearings in Berlin (Part 5): http://thevoiceforum.org/node/3419
• Gedächtnisprotokoll (Part 4): http://thevoiceforum.org/node/3407
• Richterliche Willkür - Besorgnis der Befangenheit - Pressemitteilung von The VOICE Refugee Forum: http://thevoiceforum.org/node/3388
• Gericht Verhandlung/Court Hearings in Berlin (Part 3): http://thevoiceforum.org/node/3370

The VOICE Refugee Forum Berlin
Kontakt: Mbolo Yufanyu Movuh
mobil: +49170-8788124,
mail: the_voice_berlin@emdash.org

Finanzielle Unterstützung: http://thevoiceforum.org/node/3244
Förderverein The VOICE e.V.
Sparkasse Göttingen
Kontonummer 127829
BLZ: 260 500 01
BAN: DE97 2605 0001 0000 1278 29,
BIC: NOLADE21GOE
Kennwort: Botschaftsprotest Nigeria